Die Berliner Polizei hat zwei Verdächtige festgenommen, die offenbar in Verbindung mit der Brandstiftung auf ein Auto in der Ibsenstraße in der Nacht zu Dienstag in Prenzlauer Berg stehen. Das erfuhr Morgenpost Online aus Polizeikreisen. Der 27-jährige Mann und seine 23 Jahre alte Begleiterin stehen in Verdacht, einen BMW angezündet zu haben. Außerdem wurden zwei daneben geparkte Autos stark beschädigt. Ein Anwohner rief gegen 5.25 Uhr die Polizei, die die Verdächtigen kurz darauf aufgrund der genauen Beschreibung festnehmen konnte. Die Beamten gehen derzeit nicht davon aus, dass es sich bei den festgenommenen Personen um Haupttäter handelt. Die Polizei will sich noch im Laufe des Vormittags zu den Festnahmen äußern.

Darüberhinaus wurde in der Karl-Marx-Allee nahe dem Alexanderplatz in Mitte ein Mercedes angezündet. Die Flammen griffen auf einen VW über. Der Staatsschutz ermittelt, weil ein politisches Motiv nicht ausgeschlossen ist. In der Nacht zuvor hatten ein Auto und ein Motorrad gebrannt.

Die Grünen begrüßten den Fahndungserfolg und hofften auf eine abschreckende Wirkung für weitere Täter. In den vergangenen Jahren hatte die Polizei nur einzelne Verdächtige gefasst. Verurteilungen sind selten.

Im März dieses Jahres wurde ein 28 Jahre alter Autobrandstifter zu einer Bewährungsstrafe verurteilt. Mitte August wurde ein 43-Jähriger wegen versuchter Autobrandstiftung zu einer Bewährungsstrafe von 22 Monaten verurteilt. In zwei anderen Strafverfahren wegen politisch motivierter Brandstiftungen gab es hingegen Freisprüche – aus Mangel an Beweisen.

Seit einer Woche unterstützt die Bundespolizei mit hunderten Fahndern die Berliner Landespolizei. Eingesetzt werden auch Hubschrauber. Die Zahl der Brandstiftungen ging seitdem etwas zurück. Bis zu 650 Polizisten aus Bund und Land waren in den Nächten unterwegs. Der Erfolg vom Dienstag geht auf das Konto der Landespolizei.

Ohne diese neuen Brandstiftungen gab es in der Hauptstadt in diesem Jahr 156 Autos, die aus politischen Motiven angezündet wurden. Weitere 93 in der Nähe von brennenden Autos stehende Wagen wurden durch Hitze und Flammen beschädigt. Ohne erkennbare politische Motivation zündeten Nachahmungstäter und andere 226 Autos an. 55 weitere Wagen wurden dadurch beschädigt. Zusammen sind das 530 Autos, die in knapp acht Monaten betroffen waren.

Die meisten Brandanschläge gab es in Friedrichshain-Kreuzberg, Mitte und zuletzt besonders in Charlottenburg-Wilmersdorf. Am häufigsten traf es Wagen von BMW, Audi und Mercedes. Im bisher schlimmsten Brandstifterjahr 2009 wurden mehr als 400 Autos angezündet, im Jahr 2010 waren es etwa 300.

Auch anderswo brennen Autos. In Stuttgart sind am Dienstag vier Autos in Flammen aufgegangen. Die Polizei geht von Brandstiftung aus, teilte ein Sprecher mit. Ob die Tat einen politischen Hintergrund habe, wie wiederholt in Berlin und anderen Städten, sei noch unklar. Der Brand war am Morgen gegen 4.25 Uhr bemerkt worden. Die Fahrzeuge der Leihwagenflotte Stadtmobil brannten lichterloh, ein fünftes Fahrzeug wurde ebenfalls beschädigt. Es entstand nach ersten Schätzungen ein Schaden von rund 60.000 Euro.

BMO/dapd/dpa/tj