100 beschädigte Fahrzeuge

Berliner Auto-Brandstifter hat 67 Mal zugeschlagen

Die Berliner Polizei hat einen 27-jährigen Mann festgenommen, der bereits gestanden hat: 67 Brandstiftungen und über 100 beschädigte Fahrzeuge sollen auf sein Konto gehen. Aus Frust hat er offensichtlich zahlreiche Autos angezündet und dabei auch Bewohner einer Seniorenresidenz in Lebensgefahr gebracht.

Die Berliner Polizei hat einen Serien-Auto-Brandstifter gefasst. Der 27-Jährige soll "eine hohe Zahl von Fahrzeugen in Berlin in Brand gesetzt haben“, sagte der Sprecher der Berliner Polizei, Frank Millert. Nach Informationen von Morgenpost Online liegen keine politischen Motive vor. Der Mann ist bislang nicht bei der Polizei bekannt. Ihm werden mehr als 67 "direkte“ Brandstiftungen und drei Fälle von schwerer Brandstiftung zur Last gelegt - weil das Feuer in diesen Fällen auch auf Häuser übergriff.

Der Mann hat in seinen Vernehmungen bereits mehrere Dutzend Brandstiftungen eingeräumt. Demzufolge steht er in dringendem Verdacht, in der Zeit vom 7. Juni 2011 bis zum 27. August 2011 hauptsächlich in den Bezirken Spandau, Mitte und Charlottenburg-Wilmersdorf bislang siebenundsechzig Autos angezündet zu haben, in Mitleidenschaft gezogen wurden zudem mehr als 30 daneben stehende Fahrzeuge. Ob der 27-Jährige weitere Taten begangen hat, wird aktuell noch ermittelt. Eigenen Aussagen zufolge handelte der Mann allein und aus "reinem Frust".

In jeweils einem Fall wird der Tatvorwurf der versuchten schweren und der schweren Brandstiftung erhoben: Am 28. Juli soll der Beschuldigte ein Auto unter einem Carport in der Mellener Straße in Lichtenrade angezündet haben, wodurch das Carportdach Feuer fing und die Flammen in der Folge auf den Dachstuhl eines Wohnhauses übergegriffen hatten. Die Anwohner kamen hier glücklicherweise mit dem Schrecken davon. Einen Tag später soll der Beschuldigte mehrere Fahrzeuge einer Autovermietung in der Kurfürstenstraße in Höhe der Ansbacher Straße in Charlottenburg angezündet haben, die in dem Unterstand einer Seniorenresidenz geparkt waren. Die Senioren mussten evakuiert werden - auf dem Mietwagenparkplatz gab es eine eigene Tanksäule, Explosionsgefahr drohte.

Wegen den Brandstiftungen wurde die Sonderkommission "Feuerschein“ eingerichtet, in die auch die Bundespolizei eingebunden wurde. Im Rahmen der ermittlungen dieser Sonderkommission waren zeitweise bis zu 400 Polizisten auf U-Bahn-Linien eingesetzt worden. Und dort hatten Überwachungskameras Aufnahmen von dem Beschuldigten mit Überwachungskameras gemacht. Die Bilder des Mannes beim Betreten beziehungsweise Verlassen der Züge passten zu denen von Brandstiftungen auf Autos im Bereich der Bahnhöfe.

Während er observiert wurde, hörte der Mann plötzlich auf zu zündeln – er hatte zwischenzeitlich einen Job gefunden. Der Mann ist verschuldet, lebt bei seiner Mutter in Moabit, wo er am Freitag auch von Staatsschutzbeamten festgenommen worden war. Bei der zu erwartenden Schadenssumme und seiner angespannten finanziellen Lage, ist mit einer langen Haftstrafe zu rechnen. Weitere Ermittlungen unter Bezugnahme der Fotos und weiterer Hinweise führten schließlich doch zu der Festnahme, bei der er gestand.

Festnahme von Auto-Brandstifter "sensationeller Erfolg“

Das Berliner Landeskriminalamt (LKA) hat die Festnahme eines mutmaßlichen Serien-Auto-Brandstifters als "sensationellen Erfolg“ bezeichnet. Für die Fahndung sei von der Polizei eine besondere Aufbauorganisation gegründet worden, berichtete der LKA-Leiter Christian Steiof am Sonntag bei einer Pressekonferenz. Dabei gebe es „auch immer lange Durststrecken, die mit viel Frust verbunden sein können“.

In diesem Jahr wurden bereits mehr als 550 Fahrzeuge durch Brandstiftungen beschädigt. Im Jahr mit den bislang meisten Brandstiftungen - 2009 - wurden in Berlin mehr als 400 Autos angezündet, im Jahr 2010 waren es etwa 300. Schätzungsweise die Hälfte der Taten verüben laut Polizei politisch motivierte Brandstifter aus linksextremen Kreisen.

Bislang gab es nur kleinere Fahndungserfolge - auch dank Hinweisen engagierter Bürger. Teils mussten Festgenommene aber wieder laufen gelassen werden. Für Autobesitzer kommt es im Schadensfall darauf an, ob der Wagen völlig ausgebrannt ist oder nur beschädigt wurde.

Ausgebrannte Fahrzeuge werden nach Angaben des Deutschen Anwaltvereins in der Regel mit ihrem aktuellen Wert ersetzt. Eine Beschädigung hingegen sei nur durch eine Vollkaskoversicherung abgedeckt, nicht jedoch von einer Teilkaskopolice. Auch Schäden an Fahrzeugen neben einem brennenden Auto müssten in der Regel selbst bezahlt werden.