1. Was halten Sie für die größten Schwierigkeiten für den Berliner Mittelstand?

Der Mittelstand leidet unter erheblicher Bürokratie, fehlenden Investitionen des Landes, einem defizitären Bildungssystem und einer Haushaltspolitik des Schuldenmachens. Es fehlen Fachkräfte – trotz der großen Potenziale an den Hochschulen. Das neue Vergabegesetz bürdet Unternehmen viele Probleme auf. Unser Ansatz von Fach- und Teillosen wäre die richtige Alternative gewesen. Das jahrelange Ausrufen des postindustriellen Zeitalters durch Wowereit war ein schwerer Fehler. Die konzeptionslose Schließung Tempelhofs und das Ausschlagen von 350 Millionen Euro Investitionen auch.

2. Wie würden Sie die Stadt Berlin wirtschaftsfreundlicher machen?

Berlin braucht wieder einen Geist des Aufbruchs und eine viel entschlossenere Wirtschaftspolitik. Die Unterstützung bestehender Betriebe gehört bei einer solchen Wirtschaftspolitik in den Mittelpunkt. Es geht um die gezielte Hilfe in einzelnen Branchen, sei es durch Pilotaufträge, Kontaktanbahnungen, Vernetzung der Wirtschaft mit der Wissenschaft. Unternehmen müssen in Berlin den richtigen Nährboden zum Wachsen vorfinden: Dazu gehören eine intakte Infrastruktur, wie Straßen, der neue Großflughafen BER in Schönefeld, eine zuverlässige und bezahlbare Energieversorgung. Ein erheblicher Teil der Problemlösung liegt in einer verlässlichen, innovativen und schnellen Verwaltung. Stichworte sind hier E-Government und Ausbau der onlinefähigen Verwaltungsvorgänge. Ich frage mich schon lange: Warum kann nicht jeweils nur ein Ansprechpartner für einen Investor alle Verwaltungsfragen koordinieren?

3. Wie kann der Interessenskonflikt zwischen Anwohnern und der Wirtschaftsentwicklung bei Großprojekten wie dem Flughafen BER oder dem Weiterbau der A100 aufgelöst werden?

Wir brauchen das internationale Luftdrehkreuz BER und den Ausbau der A100, um der wirtschaftspolitischen und ökologischen Verantwortung einer Metropole gerecht zu werden. Der Ausbau der A100 bringt 400 Millionen Euro Investition in die Stadt. Das bedeutet Aufträge und Arbeitsplätze. 3000 Unternehmen im Ost- und Südostteil der Stadt werden besser angebunden, Wohngebiete werden von Verkehrsströmen entlastet. Wir verstehen die Menschen, die sich für eine gesunde Wohnfeldumgebung engagieren. Die Kompromisse bei den Flugrouten gehen in die richtige Richtung. Grundsätzlich gilt bei allen Großprojekten, die Menschen sehr intensiv in die Planungen einzubeziehen.

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