Autobrände in Berlin

Wowereit - "Wir stochern im Nebel herum"

47 zerstörte Autos ind drei Nächten. Das ist die Bilanz der jüngsten Brandanschlagserie auf Autos in der Hauptstadt. Für Klaus Wowereit handelt es sich bei den Brandstiftern um eine "bunte Mischung" aus Pyromanen und krawallorientierten Tätern.

In der dritten Nacht in Folge sind in Berlin Autos in Brand gesteckt worden. In den frühen Morgenstunden am Donnerstag gingen neun Fahrzeuge in Flammen auf, weitere drei wurden nach Angaben der Polizei beschädigt. Es traf wieder überwiegend Autos im bürgerlichen Bezirk Charlottenburg. Innensenator Ehrhart Körting (SPD) sagte in der rbb-Abendschau zu den Brandstiftungen: „Ich kann überhaupt kein politisches Motiv erkennen.“ Die Polizeigewerkschaft im Beamtenbund forderte ein hartes Durchgreifen. Der Innenexperte der SPD, Dieter Wiefelspütz, verurteilte die Brandanschläge als "Vorstufe zum Terrorismus".

Die Motive der Auto-Brandstifter von Berlin haben sich nach den Worten des Regierenden Bürgermeisters Klaus Wowereit geändert. Anfangs seien die Anschläge politisch motiviert gewesen und in den Szene-Stadtteilen Friedrichshain und Kreuzberg seien vor allem Luxus-Limousinen angesteckt worden, sagte Wowereit am Donnerstag in Berlin am Rande von Wahlkampfterminen. „Dies ist bei den neuen Serien anders...Es wird quer Beet angezündet.“

Wowereit rief die Bevölkerung zur Mithilfe auf. Die Polizei sei jede Nacht mit mindestens 130 Beamten inklusive Hubschrauber-Einsatz unterwegs, um Täter dingfest zu machen. Dies sei in einer Großstadt mit etwa 1,2 Millionen Autos sehr schwierig. „Wir sind auf die Mithilfe der Bevölkerung wirklich angewiesen.“

Parallelen zu den Straßenkrawallen in London sieht Wowereit allerdings nicht. „Das hat überhaupt nichts miteinander zu tun“, sagte er. Bei der Anschlagsserie in Berlin gehe es nicht um Jugendkrawalle und soziale Auseinandersetzungen wie in London oder vor einigen Jahren in den Vororten von Paris. Bei den Brandstiftern in Berlin gebe es kein klares Täterprofil, sondern eine „bunte Mischung“, die Pyromanen und krawallorientierte Täter umfasse. Wowereit räumte zugleich ein: „Wir stochern da tatsächlich etwas im Nebel herum.“

Die amtierende Chefin der Berliner Polizei, Margarete Koppers, wies im rbb Kritik zurück: „Ich glaube nicht, dass wir mit mehr Personal mehr Erfolg hätten.“ Besonders die CDU-Opposition hatte moniert, dass in den vergangenen Jahren zu viele Stellen bei der Polizei abgebaut wurden und deshalb zu wenig Beamte auf der Straße seien.

Die Polizei hat zusätzlich Streifen losgeschickt, auch ein Hubschrauber war im Einsatz. Seit der Nacht zum Dienstag wurden bei den Brandstiftungen 47 Autos beschädigt oder ganz zerstört.

Der Chef der Deutschen Polizeigewerkschaft, Rainer Wendt sagte: „Wir brauchen harte und abschreckende Urteile.“ Er halte die Täter für „kranke Geister, die das Hab und Gut unbescholtener Bürger abfackeln“.

SPD-Innenexperte Dieter Wiefelspütz sagte, auch die RAF habe mit Brandanschlägen begonnen. „Wenn solche Täter das Gefühl haben, sie werden nicht erwischt und wenn, dann nur leicht bestraft, werden sie zu schlimmeren Taten geradezu animiert.“ Der Bundesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei, Bernhard Witthaut, rief am Donnerstag zur Mäßigung auf. „Wer die unsäglichen Brandstifter zu Beinahe-Terroristen hochredet, facht die nächsten Brandnächte an und fällt der Berliner Polizei in den Rücken.“

Zunächst brannten am Donnerstagmorgen kurz nach Mitternacht mehrere Autos in Charlottenburg. Vier Fahrzeuge standen am Charlottenburger Ufer und in der Brauhofstraße Ecke Eosanderstraße auf Parkplätzen vor Wohnhäusern. Dabei gingen nicht nur zwei hochwertige Kombiwagen in Flammen auf, sondern auch zwei mehr als zehn Jahre alte Autos. Kurz nach 01.00 Uhr brannten zwei Autos in der Händelallee in Tiergarten. Etwa eine Stunde später ging es dann in Neu-Hohenschönhausen in der Straße Zum Hechtgraben und der Nienhagener Straße weiter. Dort wurden drei Autos angezündet, weitere drei Fahrzeuge wurden beschädigt.