"Arrogante Haltung"

Dr. Motte kritisiert Loveparade-Verantwortliche

Der Berliner Loveparade-Gründer Dr. Motte prangert ein Jahr nach der tödlichen Massenpanik in Duisburg das "öffentliche Herausreden" der Veranstalter an.

Loveparade-Gründer Dr. Motte (51) hat ein Jahr nach der tödlichen Massenpanik von Duisburg den Verantwortlichen eine „fast schon arrogante Haltung“ vorgeworfen. Der Berliner DJ prangert nicht nur ein mangelndes Sicherheitskonzept der Beteiligten an, sondern auch das „öffentliche Herausreden“ und Nebelkerzen, die geworfen würden, um letztlich die eigene Haut zu retten. „Das muss sofort aufhören. Aus der Sicht der Opfer ist das die zweite Katastrophe in Duisburg“, sagte Dr. Motte der Nachrichtenagentur dpa in Berlin.

Am 24. Juli erlitten bei der Loveparade 21 junge Menschen tödliche Verletzungen. Mehr als 500 wurden verletzt. Seitdem geben sich die Organisatoren gegenseitig die Schuld. In der Kritik stehen der Veranstalter, die Stadt und auch die Polizei. Laut Staatsanwaltschaft war schon die Genehmigung der Techno-Party rechtswidrig. „Bis zum Tag der Veranstaltung gab es kein Sicherheitskonzept“, so Dr. Motte. „Da hätte eigentlich das Amt Nein sagen müssen.“

Der DJ hatte die Parade in Berlin 1989 gegründet und rund 16 Jahre begleitet. Danach distanzierte er sich von der Love Parade, weil diese ihm durch den Verkauf an einen Fitnessketten-Betreiber zu kommerziell geworden war.

Techno als Stilrichtung ist für Motte nicht passé. Derzeit gründe er einen Verein namens „Electrocult“, der die elektronische Musik fördern soll. Besonders wichtig seien Sicherheitsstandards. „Es geht doch um Menschen, nicht um Profit.“ Bei den Technospektakeln in Berlin habe das Thema immer an erster Stelle gestanden. Große Unglücke gab es dort nie.