Junge Helden

Trauer um Organspende-Aktivisitin Claudia Kotter

Claudia Kotter hat den Kampf gegen die seltene Krankheit Sklerodermie verloren. Sie wurde nur 30 Jahre alt. Bekannt wurde die Berlinerin mit ihrer Organspende-Initiative "Junge Helden e.V.", für die sich auch Prominente wie Jürgen Vogel engagieren.

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Claudia Kotter war eine Kämpferin. Ihr Schicksal bewältigte sie mit scheinbarer Leichtigkeit. Obwohl sie sich zeitlebens im Wettlauf gegen ihre tödliche Krankheit Sklerodermie befand, engagierte sich Claudia Kotter mit ihrer Organspendeinitiative "Junge Helden e.V." für das Leben anderer. Am Dienstag hat Claudia Kotter den Wettlauf verloren, im Alter von nur 30 Jahren starb sie zu Hause, in Berlin.

Claudia Kotter hinterlässt eine große Lücke. Nicht nur in den Herzen ihrer Familienangehörigen und der zahlreichen Freunde, zu denen auch der Schauspieler Jürgen Vogel zählte. "Claudia ist eine der stärksten Persönlichkeiten, die ich kenne", sagte er über sie. "Wir sind unendlich traurig und nehmen Abschied von unserer Claudia", schreiben Kotters Kollegen auf dem Facebook-Auftritt der Initiative .

Mit viel Energie und starkem Willen widmete sich Claudia Kotter ihrer Aufgabe, andere Menschen über die Notwendigkeit von Organspenden aufzuklären. Mitleid war nie ihr Ding. Ihr Auftreten verbat solche Gefühle schlichtweg. Warb sie in Talkshows und bei Veranstaltungen für ihre Initiative, hatte sie in letzter Zeit oft eine Sauerstofflasche dabei. In Erinnerung bleiben aber ihre gute Laune und ihr sprühender Charme.

Im Alter von sieben Jahren diagnostizierten die Ärzte bei Claudia Kotter die seltene Autoimmunkrankheit Sklerodermie. Dabei verhärtet sich nach und nach das Kollagen im Bindegewebe der Haut und der inneren Organe. Sklerodermie ist nicht heilbar - ihre Lebenserwartung schätzten die Ärzte damals auf 18 Jahre. Claudia Kotter hatte Glück - vor ihrem 18. Geburtstag zeigte sich die Krankheit nur wenig. Bei ihrer Geburtstagsparty bricht sie zum ersten Mal zusammen. Immer häufiger wird Claudia Kotter in Kliniken eingeliefert, oft nachdem sie eine ganze Nacht durchgefeiert und -getanzt hat. Ab 2006 darf Claudia Kotter die Klinik nicht mehr verlassen. Dann versagte ihre Lunge, schrumpfte, wurde hart. Hätte Claudia Kotter damals, 2007, nicht binnen weniger Tage eine Spenderlunge bekommen, wäre sie bereits zu diesem Zeitpunkt gestorben.

Vielleicht hätten es einige Ärzte lieber gesehen, wenn Claudia Kotter ruhig das Bett gehütet hätte. Aber Claudia Kotter liebte das Leben und wollte es bis zum Ende genießen. Kino, Theater und Partys - der quirligen Frau war das nicht zu verbieten. "Das Leben findet jetzt statt, keiner kann es verschieben", schrieb Claudia Kotter in dem von ihr im vergangenen Jahr veröffentlichten Buch "Gute Nacht, bis morgen". Zudem wurde ihr Verein "Junge Helden" immer bekannter, ihr Engagement hielt Claudia Kotter auf Trab. Organspende, so meinte sie, sei eine Auseinandersetzung mit dem Sterben. Und wer sich der Frage stelle, sei ein Held, auch wenn er danach ein "Nein" auf dem Organspendeausweis ankreuze.

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