Papst Benedikt XVI. wird am 22. September seinen Berliner Gottesdienst im Olympiastadion feiern. Der bisherige Ort für die Eucharistiefeier am Schloss Charlottenburg sei aus Platzgründen verworfen worden, teilte das Erzbistum Berlin am Mittwoch mit. Vor dem Schloss haben nach Schätzungen maximal 60.000 Menschen Platz - vorausgesetzt die Gläubigen verharren stundenlang im Stehen. Daran hatte sich zunehmend Kritik geregt. Im Olympiastadion können mehr als 75.000 Menschen auf den Tribünen sitzen.

Im Februar war die Entscheidung zunächst für das Schloss Charlottenburg gefallen, auch wenn das Stadion nie ganz von der Liste gestrichen schien. Der barocke Kuppelbau, ein Wahrzeichen Berlins, gäbe auch eine unverwechselbare Kulisse für die Papstmesse ab, wären da nicht die zunehmend deutlicher werdenden Platzprobleme. Zwar war von bis zu 40.000 möglichen Teilnehmern auf dem Schlossplatz und 30.000 in den angrenzenden Straßen die Rede. Für nur wenige würden jedoch Stühle oder Hocker bereit stehen, erklärte das Erzbistum Berlin vorsorglich angesichts der mit Vorprogramm mehrstündigen Veranstaltung. Unklar blieb, inwieweit Besuchern erlaubt würde, eigene, provisorische Sitzgelegenheiten mitzubringen. Vielen würden zudem Bäume die Sicht auf Benedikt XVI. verdecken.

Unmut in den Pfarreien

In den Pfarreien wuchs vor allem bei älteren und behinderten Mitgliedern, aber auch bei Familien mit kleinen Kindern deshalb der Unmut. Viele fühlten sich bei der Vorbereitung „nicht ernst genommen“, hieß es. Zur Beruhigung trug nur wenig bei, dass der Diözesanadministrator, Weihbischof Matthias Heinrich, versicherte, dass Erzbistum bemühe sich intensiv um möglichst viele Sitzgelegenheiten. Er räumte zugleich ein, dass wie bei den anderen Papstgottesdiensten die für Fluchtkorridore und Feuerwehrzufahrten zuständigen Stellen das letzte Wort haben.

relatedlinksKritiker der ursprünglichen Standortwahl meldeten sich auch von außerhalb zu Wort. So mahnte der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Alois Glück, angesichts des unerwartet großen Interesses über Alternativen nachzudenken. „Macht das Stadion auf und lasst Ihn rein“, proklamierte auch der Berliner Diözesanrat der Katholiken.

In Berlins Regierendem Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD), der auch katholisch ist, hatte das Olympiastadion von Anfang an ebenfalls einen Befürworter, der den Papstbesuch als wichtiges Ereignis für alle Berliner wertet. Zuletzt erklärte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, das Votum für das Charlottenburger Schloss sei „kein Dogma“.

50.000 Voranmeldungen

Die Vorstellung, dass viele Berliner Katholiken die Papstmesse nur vor dem Fernseher oder allenfalls beim Public Viewing miterleben könnten, mag schließlich den Ausschlag gegeben haben. Das Stadion der erneut in die Erste Bundesliga aufgestiegenen Hertha BSC bietet nun fast 75.000 Sitzplätze, die zudem überdacht sind. Die Angst, Benedikt XVI. könnte zum Auftakt seiner Visite vor weithin leeren Rängen zelebrieren müssen, erweist sich immer mehr als unbegründet. Bislang haben sich nach Kirchenangaben über 50.000 Interessenten für die Berliner Papstmesse angemeldet.

Nach Johannes Paul II. 1996 ist nun zum zweiten Mal mit Benedikt XVI. ein Papst im Olympiastadion zu Gast. Während damals die Seligsprechung der Priester und NS-Gegner Bernhard Lichtenberg und Karl Leisner im Zentrum stand, ist diesmal noch ungewiss, worauf Benedikt XVI. hier den Schwerpunkt seiner Predigt setzen wird. Ein Ort ohne religiöse Bezüge ist die für die Olympiade von 1936 gebaute Arena jedenfalls nicht, wie es auf den ersten Blick scheinen mag: 1952, 1958, 1980 und 1990 war sie bereits Veranstaltungsstätte großer Katholikentage. Seit der Eröffnung vor fünf Jahren wird überdies ihre Stadionkapelle – eine von drei bundesweit – bei Sportlern und Fans immer beliebter.

kna/dpa/ap