Umfrage

Berliner halten ihre Hauptstadt für schmutzig

Mehr als die Hälfte der Berliner sagt, die Hauptstadt sei dreckig. Das ergab eine repräsentative Umfrage von Infratest dimap. Dabei sind allerdings die Parks in den Augen der Bürger nicht das größte Problem.

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Carsten Spallek von der CDU fordert: "Für den Großen Tiergarten sollte ein absolutes Grillverbot gelten." Der Bezirkspolitiker verwies auf das vergangene Jahr, in dem, wegen der Fußball-Weltmeisterschaft, Grillen auf dem gesamten Tiergarten-Areal für rund zwei Monate verboten war. "In dieser Zeit hat sich die Natur wunderbar erholt. Pflanzen und Rasen konnten sich regenerieren, und es gab vor allem kein Müllproblem". Nachdem das Verbot aufgehoben wurde, musste das Grünflächenamt des Bezirks an 25 Wochenenden rund 160 Tonnen Grill-Müll entsorgen. Das entsprach etwa 1000 Kubikmetern.

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Die Mehrheit der Berliner ist der Meinung, dass die Hauptstadt schmutzig ist. Das sagen 59 Prozent der Befragten im Berlin-Trend der Berliner Morgenpost und der RBB-„Abendschau“. Immerhin noch 40 Prozent halten Berlin dagegen für sehr oder eher sauber. Für den Berlin-Trend befragte Infratest dimap 1000 wahlberechtigte Berliner in der Zeit vom 3. bis 6. Juni 2011 am Telefon.

Bei Grünanlagen sieht der Trend dagegen anders aus. Die Parks empfindet eine Mehrheit von 52 Prozent als sauber, während 44 Prozent sie als eher oder sehr schmutzig wahrnehmen.

Dabei fällt auch auf, dass jüngere Leute generell eine größere Toleranz gegenüber Müll und Dreck in der Stadt oder in Parks haben als Ältere. So halten drei von vier Befragten zwischen 18 und 24 die Grünanlagen für sauber, unter den Vertretern der älteren Altersgruppen ist das kaum jeder Zweite.

Die Müllberge und Überreste von zahllosen Grillfesten, die sich nach Wochenenden mit gutem Wetter in vielen Grünanlagen türmen, lassen eine Mehrheit eher nach pragmatischen Lösungen suchen als nach drakonischen Maßnahmen rufen.

Ein generelles Grillverbot in Grünanlagen halten nur 14 Prozent der Befragten des Berlin-Trends für geboten. 79 Prozent sagen, Grillen sollte auf speziellen Flächen erlaubt sein, wie es auch der geltenden Praxis entspricht. Sieben Prozent finden, es sollte überall erlaubt sein, Würstchen und Steaks zu brutzeln. Bemerkenswert ist, dass die jüngeren Befragten die größten Sympathien für ein Totalverbot haben. Unter den Berlinern bis 34 Jahre teilt mehr als jeder Vierte diese Position.

Ordnungsamt soll aktiv werden

Auch wenn es nach jedem schönen Wochenende Klagen gibt über die Hinterlassenschaften der Feiernden in den Parks, so wissen die Berliner doch ganz genau, wer den Dreck liegen lässt – nämlich ihre Mitbürger: 83 Prozent sagen, verantwortlich seien die Parkbesucher. Nur jeweils knapp über zehn Prozent geben den für die Reinigung der meisten Parks zuständigen Stadtbezirken oder dem Land Berlin die Schuld. Größere Abweichungen vom Gesamtbild zeigen hier nur die Wähler der Linken. Sie sind nur zu 70 Prozent der Ansicht, die Parkbesucher seien selber schuld, wenn sie ihre Grünanlage verdreckten.

Die Bürger haben aber auch einen ziemlich genauen Eindruck davon, was helfen könnte gegen den Dreck der Grillfeste. 78 Prozent der Befragten halten mehr Kontrollen durch die Ordnungsämter für sehr geeignet oder eher geeignet, um das Problem in den Griff zu bekommen. Und obgleich sich jüngere Berliner gegenüber einem schärferen Eingreifen der Ordnungskräfte ein wenig skeptischer zeigen als Ältere, so gilt der Einsatz von uniformierten Aufpassern in den Parks doch quer durch alle Altersklassen, politische Lager und Bildungsniveaus als probates Mittel, um die Parks sauber zu halten.

Der zweite praktische Hinweis, den die Bürger ganz deutlich abgeben, ist der Ruf nach mehr und größeren Abfallbehältern. 79 Prozent sind der Ansicht, es würde helfen, wenn die Mülleimer etwas größer wären als die vorhandenen. Auch hier sind sich die Befragten quer durch alle Untergruppen einig. Nur jeder fünfte Befragte glaubt, es würde nichts bringen, größere Müllcontainer aufzustellen, um die Leute zu animieren, dort ihren Abfall zu entsorgen.

Auch eine komplette Änderung der Zuständigkeiten für die Reinigung von Parks und Grünanlagen würden viele Berliner begrüßen. Jeder Zweite gab an, er halte es für geeignet, der BSR auch in den Parks die Müllentsorgung zu übertragen – auch wenn dadurch die allgemeinen Müllgebühren steigen sollten. Bisher unterstehen die Parks und auch deren Reinigung den Bezirken mit ihren Grünflächenämtern. Diese klagen jedoch oft, ihnen fehle Personal, um nach Wochenenden mit gutem Wetter und starkem Andrang in den Grünflächen diese schnell sauber zu machen.

Aber das Votum für die BSR als Park-Reiniger ist nicht einheitlich. Mit 48 Prozent sind fast ebenso viele Befragte dagegen wie dafür (50 Prozent).

Weniger halten die Berliner davon, die Kosten für Reinigung auf die Gruppe der Grillfreunde abzuwälzen. Aber immerhin 44 Prozent halten eine Grillgebühr für geeignet, um für mehr Sauberkeit in Parks zu sorgen. An dieser Frage unterscheiden sich die Berliner aber deutlich: Für junge Menschen scheint es undenkbar, fürs Grillen im Park zahlen zu müssen. Nur elf Prozent der 18 bis 24 Jahre alten Bürger halten das für geeignet. Unter den Älteren von über 60 Jahren hält hingegen eine Mehrheit von 56 Prozent es für wünschenswert, die Griller direkt zur Kasse zu bitten.

Insgesamt belegt der Berlin-Trend aber, dass die Bürger der Hauptstadt mit dem Müll in Parks vergleichsweise wenige Probleme haben. Zwar halten nur drei Prozent der Befragten die Grünzonen in der deutschen Hauptstadt für sehr sauber, immerhin 49 Prozent empfinden sie aber als „eher sauber“. Aus Sicht von 38 Prozent der Befragten sind sie eher schmutzig, nur sechs Prozent halten die Grünanlagen der Stadt für „sehr schmutzig“.