Wegen der Verschleppung seines Kindes in den Libanon muss sich ein 23-Jähriger seit Montag vor dem Berliner Landgericht verantworten. Der Mann soll im Juli 2010 seinen damals fünfjährigen Sohn bei dessen Mutter abgeholt und dann in den Libanon gebracht haben. Den Ermittlungen nach wollte der Angeklagte die Kindsmutter auf diese Weise zwingen, zu ihm zurückzukehren.
Der Angeklagte und die Kindesmutter waren nach islamischem Recht verheiratet und hatten das gemeinsame Sorgerecht für das Kind. Im Prozess wollte sich der Libanese in Gegenwart der inzwischen von ihm geschiedenen Frau nicht äußern. Die 26-Jährige, die als Nebenklägerin am Verfahren teilnimmt, sagte vor Gericht, dass sie ihren Sohn seit Juli 2010 nicht mehr gesehen hat. Zunächst sei ihr versprochen worden, dass der Junge im September 2010 zurückkehre. Bis dahin habe sie auch noch mit dem Kind telefonieren können. Später habe sie dann nur noch die Großmutter des Angeklagten gesprochen.
Der Staatsanwaltschaft zufolge hatte sich der Mann den Reisepass des Kindes verschafft. Im August habe der Vater dann der Familienkasse in Berlin mitgeteilt, dass sein Sohn auf unbestimmte Zeit in Libanon bleibe.
Das Kind ist während seines Aufenthaltes im Libanon im November erkrankt und musste im Krankenhaus behandelt werden. Es leidet an einer Asthmaerkrankung, die ständiger ärztlicher Kontrolle bedarf. Die Familie des Angeklagten sei allerdings in dem Land nicht krankenversichert, sodass die Gesundheit des Kindes gefährdet sei, teilte die Staatsanwaltschaft weiter mit. Daneben sei auch zweifelhaft, ob der Junge inzwischen eingeschult wurde, weil der Schulbesuch dort kostenpflichtig sei.
Der Prozess wird am 11. Mai 2011 fortgesetzt.
dapd/sei


