Parteiausschlussverfahren

Sarrazin steigert SPD-Wahlchancen – sagt Sarrazin

Das eingestellte Parteiausschlussverfahren gegen Thilo Sarrazin fördert die Chancen der SPD bei der anstehenden Abgeordnetenhauswahl in Berlin - sagt Thilo Sarrazin. Und ist hochzufrieden.

Der frühere Berliner Finanzsenator Thilo Sarrazin (SPD) hat die Einstellung des Parteiausschlussverfahrens gegen ihn als „positiven Beitrag zu den Wahlchancen der SPD“ bei der Abgeordnetenhauswahl bezeichnet. „Der eine oder andere Bürger hat mir in den letzten Tagen schon gesagt, dass er jetzt, nach der Einigung der SPD mit mir, bei der kommenden Wahl auch wieder SPD wählen könne. Die Einigung ist, so glaube ich, ein positiver Beitrag zu den Wahlchancen der SPD“, erklärte Sarrazin im Interview mit Morgenpost Online.

Sarrazin zeigte sich hochzufrieden mit der Einstellung des Verfahrens: „Die Einigung war ein Sieg der Vernunft.“ Der ehemalige Bundesbank-Vorstand hatte wegen seinen umstrittenen Äußerungen zur Integrationspolitik in seinem Buch „Deutschland schafft sich ab“ aus der SPD ausgeschlossen werden. Das Parteiausschlussverfahren war am Donnerstag vor der Kreisschiedskommission eingestellt worden.

Zu Berichten, wonach Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) angesichts der nahenden Abgeordnetenhauswahl auf eine einvernehmliche Einigung gedrängt habe, sagte Sarrazin: „Dazu habe ich keinerlei Informationen“, so der ehemalige Finanzsenator. „Persönlichen Kontakt hatten Klaus Wowereit und ich in der Angelegenheit nicht.“

Sarrazin sagte, er habe persönlich keinen "Dauerkonflikt" mit der SPD gewollt und sei darin auch von seinem Rechtsbeistand Klaus von Dohnanyi bestärkt worden. Der Entwurf für seine Erklärung stamme von der Kreisschiedkommission, die "mein Buch offenbar sehr sorgfältig gelesen hat". Es sei vier Stunden lang seriös diskutiert worden. "Dass dabei ein Ergebnis herauskam, das alle ehrlichen Herzens akzeptieren konnten, ist für mich ein Sieg für die Diskussionskultur innerhalb der SPD", sagte Sarrazin. "Wenn alle Mitglieder einer großen Volkspartei zu allen Fragen gleiche Meinungen hätten, wäre es ja keine Volkspartei".