Der italienische Ministerpräsident Silvio Berlusconi soll über die Veröffentlichung vertraulicher Geheimdokumente des US State Department nur gelacht haben. Dies berichteten italienische Medien am Montag. Der Regierungschef, der in den US-Depeschen als "Organisator von wilden Partys und uneffizienter Leader innerhalb Europas" beschrieben wird, der "aufgeblasen, eitel und unfähig" sei, wies diese Vorwürfe zurück. "Ich lese nicht, was ein dritt- oder viertrangiger Beamter sagt", erklärte er am Montag.
Verteidigungsminister Ignazio La Russa tat die Veröffentlichungen der US-Geheimdokumente als "Klatsch" ab. Außenminister Franco Frattini hingegen verurteilte die Aktion der Internetplattform Wikileaks: "Diese Enthüllungen sind der 11. September für die weltweite Diplomatie, weil sie alle vertraulichen Beziehungen zwischen den Staaten in die Luft jagen", sagte er.
Die französische Regierung reagierte ebenfalls verärgert auf die Publikationen. Man werde die Zitate französischer Politiker keinesfalls bestätigen, sagte Regierungssprecher François Baroin. Präsident Nicolas Sarkozy gilt unter US-Botschaftern offenbar als "empfindlich und autoritär". Gegenüber seinen Mitarbeitern bescheinigen ihm die Diplomaten ein teilweise schroffes Verhalten. Bei der von Wikileaks angebotenen Volltextsuche kommt er auf bisher zehn Treffer. In einer Depesche aus Berlin vom Februar heißt es etwa, Außenminister Guido Westerwelle habe sich beschwert, bei Sarkozy sei man nie vor Überraschungen sicher.
dpa/dapd


