Im Streit um den Hauptstadtflughafen geht Klaus Wowereit (SPD) auf Distanz zur Linkspartei und zu einem Teil der Fluglärmgegner im Berliner Südwesten. Mit dem Parteitagsbeschluss für ein weitergehendes Nachtflugverbot gefährde der Koalitionspartner die Konkurrenzfähigkeit des Flughafens als Drehkreuz für Umsteigeflüge, sagte Berlins Regierender Bürgermeister der „B.Z.“ (Dienstag). „Die Linke hat da wirtschaftliche Inkompetenz bewiesen. Und das als Partei, die den Wirtschaftssenator stellt. Der müsste es besser wissen.“
Während die Linke den Flugbetrieb von 23.00 Uhr bis 6.00 Uhr ruhen lassen will, möchte Wowereit ein Flugverbot zwischen Mitternacht und 5.00 Uhr. Ob die SPD nach der Abgeordnetenhauswahl im September 2011 wieder mit der Linken koaliert, ließ er offen. Er wolle für die SPD mehr 30 Prozent der Stimmen holen.
Der Großflughafen in Schönefeld soll im Juni 2012 öffnen. Zum Streit um die Flugrouten sagte Wowereit, er habe volles Verständnis für die Menschen in Lichtenrade. Sie hätten plötzlich fürchten müssen, dass Flugzeuge in 600 Metern Höhe vorbeifliegen. Es sei wichtig, dass es für Lichtenrade nun eine Lösung gebe. „Und das ist schon ein deutlicher Unterschied zu Problemen, die Villenbesitzer weiter entfernt vom Flughafen haben, wo die Flugzeuge schon mehr als 2000 Meter hoch sind.“
Nach einem Kompromissvorschlag der Fluglärmkommission kann Lichtenrade wieder hoffen, von Fluglärm verschont zu bleiben. In Zehlendorf und Wannsee gibt es aber weiterhin Befürchtungen, dass die Stadtteile künftig überflogen werden.
dpa/tj



