Nachleben

Eisbär Knut soll ins Berliner Naturkundemuseum

Die trauernde Fan-Gemeinde des verstorbenen Eisbären fragt sich, was mit dem Leichnam passieren soll. Zoo-Chef Blaszkiewitz kann sich gut vorstellen, Knut im Museum auszustellen. Der Präparator ist bereits bei der Obduktion dabei.

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Im Berliner Zoo legen Besucher Blumen vor dem Gehege von Eisbär Knut ab, der Sonnabend überraschend gestorben war.

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Die Trauer um Eisbär Knut hält unvermindert an. Auch am Montag versammelten sich am nun leeren Gehege des am Samstag plötzlich gestorbenen Publikumslieblings Hunderte von Menschen. Das virtuelle Gedenkbuch des Zoologischen Gartens enthielt bereits rund 2000 Einträge von Knut-Fans aus der ganzen Welt.

Zu den zahlreichen Anfragen der Knut-Fans, was nun mit dem Körper geschehen solle, gab Zoo-Direktor Bernhard Blaszkiewitz bekannt, dass das Berliner Naturkundemuseum Interesse angemeldet habe. Der Präparator sei bei der Analyse des Tierkadavers dabei. Eisbär Knut war am Samstagnachmittag ohne vorherige Anzeichen einer Krankheit zusammengezuckt, ins Wasser gestürzt und gestorben.

Der Zoo-Chef sagte, er könne sich vorstellen, dass der präparierte Knut wie einst das Elefantenbaby Kiri im Naturkundemuseum Tierfreunden gezeigt werde. Möglich sei auch, am Eisbärengehege im Zoologischen Garten zum Gedenken eine kleine Skulptur von Knut aufzustellen, „vielleicht, wie Knut als Baby war“, sagte Blaszkiewitz.

Mit seinen mehr als 30 Millionen Objekten gehört das Berliner Museum für Naturkunde zu den bedeutendsten Naturkundemuseen der Welt. Zu den Highlights gehört das weltweit größte Dinosaurierskelett, ein Brachiosaurus brancai. Im haus an der Invalidenstraße in Mitte kann auch das berühmte Berliner Exemplar des Urvogels Archaeopteryx lithographica im Original bewundert werden.

Das berühmte Berliner Flusspferd Knautschke starb 1988. Eine lebensgroße Nachbildung aus Gips und seine Knochen lagern in der naturwissenschaftlichen Sammlung der Berliner Stiftung Stadtmuseum. Auch die präparierte Pandabärin Tjen-Tjen, die dem Berliner Zoo 1980 als Staatsgeschenk aus China übergeben worden war, findet man dort.

Kein Grab neben Dörflein

Bären-Betreuer Heiner Klös war bereits Vorstellungen entgegengetreten, Knut könnte neben seinem 2008 gestorbenen Ziehvater Thomas Dörflein beerdigt werden. „Da kann ich ganz klar sagen: Das ist absolut nicht im Sinne von uns“, sagte er am Sonntag. „Das wird es nicht geben. Das darf es auch nicht geben. Weil: Es ist schon ein Unterschied zwischen einem Mensch und einem Tier.“

Dörflein hatte den 2006 geborenen und von der Mutter verstoßenen Knut aufgezogen. Der Tierpfleger starb im Alter von 44 Jahren. Zum Umgang mit der Trauer nach Knuts Tod sagte Klös: „Ich kann mir nicht vorstellen, dass wir eine Gedenk- oder Abschiedsfeier machen."

Währenddessen begann in einem Institut der Freien Universität in Berlin-Düppel die Sektion. Konkrete Ergebnisse lagen am Montag noch nicht vor. Eine Sprecherin des Zoos teilte gab nicht bekannt, wann ein konkretes Ergebnis der Untersuchungen vorliegt und wann mit einer Veröffentlichung zu rechnen sei.

Stopp der Eisbären-Haltung gefordert

Nach dem Tod der Zoo-Attraktion, die zu Lebzeiten von rund elf Millionen Menschen besucht worden und weltweit bei den Fans beliebt war, ging die Debatte um die künftige Haltung von Eisbären weiter. Zoo-Direktor Bernhard Blaszkiewitz sagte, es sei völlig klar, dass Knut „nicht in einer Stresssituation gestorben ist“. Die Gruppenhaltung mit drei Weibchen sei damit nicht in Verbindung zu bringen. Die Entscheidung, Knut mit drei Bärendamen in einem Gehege unterzubringen, sei von einem fachkundigen Team getroffen worden.

Der Präsident des Deutschen Tierschutzbundes, Wolfgang Apel, sagte, der Zoo habe Knut „aus Zuchtehrgeiz“ gemeinsam mit seinen Artgenossinnen untergebracht. Für Eisbären, die eigentlich Einzelgänger seien, sei dies „purer Stress“.

Der Tierschutzbeauftragte des Landes Berlin, Klaus Lüdcke, forderte einen Stopp der Eisbären-Haltung. Er schloss sich damit Forderungen der Tierrechts-Organisation Peta, des Deutschen Tierschutzbundes und der tierpolitischen Sprecherin der Grünen in Berlin, Claudia Hämmerling, an. In elf deutschen Zoos werden aktuell noch Eisbären präsentiert.

Blaszkiewitz verteidigte die bei Tierschutz-Organisationen und vielen Zoo-Besuchern umstrittene Maßnahme des Zoos, Knut mit den Eisbärinnen zusammenzubringen. „Vorher haben alle geweint, dass Knut lange allein lebte“, sagte Blaszkiewitz. Mit der Gruppenhaltung habe der Zoo der Kritik entgegenwirken und Knut Beschäftigung verschaffen wollen.

Blaszkiewitz widersprach der von vielen Zoo-Besuchern wiederholt geäußerten Kritik, Knut sei von dem Damen-Trio ständig gemobbt und isoliert worden. „Nur anfangs, längst haben sie sich gegenseitig gejagt und auch miteinander gespielt, auch am Todestag.“

Dem entgegnete der Berliner Tierschutzbeauftragte Lüdcke, dass diese Haltung „nicht artgerecht“ sei. Die Tiere seien „eindeutig reine Einzelgänger“. Gemeinschaft und Geselligkeit suchten sie nur in der Paarungszeit. „Nur dann können sie sich riechen, nur dann stimmt die Chemie.“ Die Haltung in Zoos führe zwangsläufig zu Stress bei den Tieren.

Inzest, Erbkrankheit und Stress

Der Nürtinger Tierrechtler Frank Albrecht bekräftigte seine Forderung nach dem Ende der Eisbären-Präsentation. Er sehe einen möglichen Zusammenhang „zwischen Inzest, Erbkrankheit und Stress“. Es sei äußerst bedenklich, dass mehrere Nachkommen von Knuts Vater Lars nicht lange überlebten. Ein Geschwistertier von Eisbärin Lisa, Knuts Oma, sei 1975 ebenfalls im Alter von vier Jahren nach Störungen des Gleichgewichts und einem Anfall im Wasser ertrunken.

Knut-Vater Lars habe im Zoo Wuppertal kürzlich eine Erkrankung nur knapp überlebt. Lars sei durch Inzest gezeugt worden. Albrecht beschuldigte beide Berliner Zoos im Westteil der Stadt und in Friedrichsfelde. Dort sei Inzucht „mittlerweile fast schon Alltag“. Berlins Zoo-Chef Blaszkiewitz lehnte Stellungnahmen zu den Erklärungen von Albrecht, Peta und des Tierschutzbundes grundsätzlich ab. „Das sind ausgewiesene Feinde der Zoo-Haltung. Was da kommt, ist alles Unsinn“, sagte er.