Angesichts wieder zunehmender Ansteckungen mit dem Aids-Virus HIV will der Berliner Senat die Aufklärung besonders in der Schwulenszene verbessern. „Die HIV-Infektionen sind gerade in den Großstädten in den letzten Jahren wieder gestiegen“, sagte Gesundheitssenatorin Katrin Lompscher (Linke) am Dienstag bei der Vorstellung eines Rahmenkonzeptes zur Aids-Prävention. 440 neue Ansteckungen habe es 2009 gegeben, 70 Prozent davon bei homosexuellen oder bisexuellen Männern. Im Jahr 2001 gab es nur 200 offiziell erfasste Neuinfektionen. „Die Prävention muss stärker auf Zielgruppen ausgerichtet sein“, sagte Lompscher.
Nach Angaben der Gesundheitsverwaltung leben in Berlin rund 10 000 Menschen, die mit HIV infiziert sind. Bei rund 6000 von ihnen ist die Immunschwächekrankheit Aids ausgebrochen.
Berlin gelte zwar als „Hauptstadt HIV-Betroffenen“, aber auch als Hauptstadt im Kampf gegen Aids, sagte Lompscher. Die Verdoppelung der Infektionszahlen sei jedoch ein Zeichen für eine Veränderung und einen leichtsinnigeren Umgang mit der Gefahr. Weil Aids wegen moderner Medikamente nicht mehr unbedingt tödlich ist, gibt es nach Einschätzung der Experten viele Menschen, die sich beim Sex nicht mehr ausreichend schützen.
Aufklärung und Vorbeugung sollen sich auch an Prostituierte, Drogensüchtige, Gefängnisinsassen und Einwanderer aus Ländern mit einer hohen Aidsrate, etwa in Afrika richten. Lompscher sprach von einer „Neuausrichtung der Prävention“. So werde etwa das „szenenahe“ Angebot für Schwule ausgebaut.



