Die Berliner und ihre Gäste aus aller Welt haben ausgelassen und friedlich ins neue Jahr 2011 hinein gefeiert. Vergnügt bejubelten mehrere Hunderttausend Menschen auf Deutschlands größter Silvesterparty den Jahreswechsel. Am Brandenburger Tor feierten die Massen schunkelnd und hüpfend auf der berühmten Festmeile auf der Straße des 17. Juni. Musikalische Begleitung beim Countdown ins neue Jahr gab es von Tenor Paul Potts.

Eine Polizeisprecherin nannte die Feststimmung in der Stadt in der Nacht „ganz entspannt“. Die Leute seien „überall gut drauf“, sagte sie. Außer kleineren Reibereien im üblichen Umfang in einer Großstadt wie Berlin seien alle „ganz diszipliniert und gut gelaunt“ gewesen.

Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) zählte bis zum frühen Morgen 234 Hilfeleistungen rund um die Festmeile und damit ungefähr so viele wie zum vorigen Jahreswechsel. 24 Feiernde mussten in Krankenhäuser gebracht werden.

Entwarnung am Berliner Hauptbahnhof

Auch die Feuerwehr war relativ zufrieden. Die Einsatzkräfte waren zwar seit 10 Uhr morgens am letzten Tag des Jahres wegen Alarmmeldungen mit Absturz bedrohten Schneebrettern und Eiszapfen im Ausnahmezustand, der dann am Abend wegen einiger Feueralarme erweitert wurde.

Wenige Stunden vor dem Jahreswechsel beseitigte die Feuerwehr an einem zentralen Eingang des Hauptbahnhofs ein gefährliches Schneebrett vom Glasdach. Den Einsatzkräften gelang es, über Leitern die Schneemassen auf einer Fläche von etwa 100 Quadratmetern mit einem kräftigen Warmwasserstrahl abzuspritzen. Nach kurzzeitiger Sperrung wurden gegen 19 Uhr auch am Europaplatz alle Eingänge wieder für Reisende geöffnet. Die Eingänge auf der anderen Seite am Washingtonplatz waren nicht von der Maßnahme betroffen.

Silvester war für die Feuerwehr wieder die arbeitsintensivste Nacht des Jahres. Insgesamt 1568 Einsätze wurden allein von 19 Uhr bis 6 Uhr bewältigt, wie ein Sprecher am Sonnabendmorgen mitteilte. Das waren rund 150 mehr als zum Jahreswechsel 2009/2010. Die Zahl der Rettungsdiensteinsätze sank leicht, dagegen stieg die Zahl der Brände um rund ein Viertel. Viele Brände und Verletzungen ließen sich auf unsachgemäßen Umgang mit Feuerwerkskörpern zurückführen, hieß es.

Insgesamt standen für die Silvesternacht etwa 1500 Einsatzkräfte von Berufsfeuerwehr, Freiwilliger Feuerwehr, Hilfsorganisationen und Technischem Hilfswerk mit rund 360 Fahrzeugen bereit.

In Spandau, Marzahn, Tempelhof und Lichtenberg wurden durch Feuerwerkskörper mehrere geparkte Autos in Brand gesteckt. Auf der Tauentzienstraße wurde außerdem kurz vor Mitternacht ein Mann von Unbekannten angeschossen. Eine Kugel traf ihn ins Bein. Die Hintergründe waren zunächst völlig unklar. Der Mann musste in ein Krankenhaus gebracht werden. Wenig freundlich wurde kurz nach Mitternacht eine Polizeistreife in der Schönwalder Straße im Wedding empfangen. Die Beamten hatten einen Brand in einem Wohnhaus bemerkt und wollten helfen. Plötzlich wurden sie von zehn Personen mit Tritten und Schlägen attackiert. Drei Polizisten wurden leicht verletzt, konnten aber ihren Dienst fortsetzen.

Feuerwehr löscht Wohnungsbrände

Bei einem Wohnungsbrand in Gesundbrunnen wurden am Neujahrsmorgen fünf Personen verletzt worden. Eine sieben- und eine 17-Jährige seien ins Krankenhaus gebracht worden, sagte ein Feuerwehrsprecher. Auch bei den anderen Bewohnern bestand der Verdacht auf eine Rauchvergiftung. Über die Schwere der Verletzungen lagen zunächst keine Angaben vor. Der Brand war gegen 1 Uhr in einer Maisonettewohnung in der Spanheimstraße ausgebrochen. Die Flammen fraßen sich bis zum Dachstuhl durch. Die Polizei hat die Ermittlungen zur Brandursache übernommen.

In der Lichtenberger Coppistraße löschte die Feuerwehr am Neujahrsmorgen zudem einen Brand auf einem Balkon im 15. Stock eines Hochhauses.

Wenige Minuten nach 4 Uhr wurde die Feuerwehr zu einem Wohnungsbrand im ersten Stock eines dreigeschossigen Hauses in Alt-Lichtenrade gerufen. Ein Mann und eine Frau mussten mit Rauchgasvergiftung ins Krankenhaus gebracht werden, die Feuerwehrleute konnten ein Übergreifen der Flammen auf angrenzende Wohnungen verhindern. Bereits am Freitagnachmittag waren bei einem Feuer in einem Hochhaus in Steglitz sieben Menschen verletzt worden. Teils mussten sie mit Fluchthauben in Sicherheit gebracht werden. Der Brand war in einer Wohnung im ersten Obergeschoss eines elfstöckigen Hochhauses im Dalandweg ausgebrochen.

Paul Potts und David Hasselhoff begeistern Partygäste

Das Feuerwerk unter dem Motto „Architektur am Himmel“ des Künstlers Gert Hof erhellte fast 15 Minuten lang den Pariser Platz in Berlin-Mitte. Pure Gänsehautstimmung, als Tenor Potts aus voller Brust sein „Nessun Dorma“ (Keiner schlafe) schmetterte. Bei der berühmten Arie des Prinzen Kalaf in Puccinis „Turandot“ dachte sowieso keiner an Schlaf. Und Potts bekannte, er habe noch nie vor so vielen Menschen gesungen.

Danach riss David Hasselhoff die Menschen mit seinem Song „Looking for Freedom“ mit. Vor mehr als zwei Jahrzehnten hatte der Star in der Silvesternacht nach dem Mauerfall an gleicher Stelle schon einmal seinen Triumphsong präsentiert. Am gleichen Ort tanzten die Massen beim Mauerfall vor 21 Jahren und auch bei den letzten Fußball-WM-Feten. Die Tradition der Mega- Silvesterparty hatte zum Jahreswechsel 1989/90 begonnen, als die Menschen aus Ost und West am geöffneten Wahrzeichen Berlins auf die Wende anstießen und sich in den Armen lagen. Dieses Jahr schunkelten und drückten sich viele Menschen aus reiner Freude und Lebenslust.

Es zog die Menschen in Massen zum Fest, der Veranstalter sprach von einer Million Besucher. Die ersten waren schon bei Tageslicht viele Stunden vor der Riesenparty gekommen. Als immer mehr Richtung Brandenburger Tor drängten, musste die Polizei das Gelände um etwa 22.30 Uhr schließen. Es kam zwar kurzzeitig zu Gedrängel, die Lage blieb aber friedlich, es gab laut Polizei keine größeren Probleme. Trotz der jüngsten Terrorwarnungen gab es keine verschärften Sicherheitskontrollen.

Und auch das Wetter meinte es verhältnismäßig gut mit den Berlinern. Nach den vergangenen Bibber-Tagen war es bei Temperaturen um die Null Grad zumindest von oben trocken. Ein Nachteil: Die Schneeberge der vergangenen Woche verwandelten sich rasch in braunen, wässrigen Schneematsch. Vor vielen Buden standen die Gäste fast knöcheltief im Wasser.

dpa/dapd/mim