Es geht um Abrechnungsbetrug vermutlich in Millionenhöhe: Die Berliner Polizei hat am Donnerstag rund 150 medizinische Einrichtungen des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) und Privatadressen durchsucht. Dazu gehörten neben Versorgungszentren an DRK-Kliniken auch Wohnungen von Geschäftsführern und Ärzten, wie ein Polizeisprecher mitteilte. Der Verdacht laute auf banden- und gewerbsmäßigen Betrug im Gesundheitswesen. Über Einzelheiten der Razzia will die Polizei am Mittag auf einer Pressekonferenz informieren.
Bereits am 9. Juni hatte es eine ähnliche Razzia gegeben. Damals waren zwei Geschäftsführer der DRK-Gesellschaft und ein Chefarzt der Radiologie im Krankenhaus Mitte festgenommen worden. Auch damals ging es um Abrechnungsbetrug sowie um Körperverletzung, weil Assistenzärzte in der Radiologie ohne fachliche Aufsicht für Eingriffe eingesetzt worden sein sollen, für die sie noch nicht ausgebildet waren.
Mittlerweile wird nach Behördenangaben gegen 60 Beschuldigte ermittelt. Die Ermittler gehen unter anderem Hinweisen nach, dass Behandlungen durch Assistenzärzte unzulässig als Fach- und Chefarztbehandlungen mit höheren Kosten abgerechnet wurden. Zudem sollen in den Versorgungszentren Scheinverträge abgeschlossen worden sein.
Die neuerlichen Durchsuchungen waren eine Folge der Ermittlungsergebnisse, die die Razzia im Juni erbracht hatte, wie ein Polizeisprecher erläuterte. Festnahmen gab es nicht. Durchsucht wurden die Büroräume der drei DRK-Kliniken in Mitte, Westend und Köpenick, der fünf Medizinischen Versorgungszentren, die Firmensitze der DRK-Kliniken und der Medizinischen Versorgungszentren, der Sitz des Vorstandes des DRK in Berlin sowie 86 Wohnungen, davon zwölf in anderen Bundesländern.
Der Verband der DRK-Schwesternschaften hat sich „entsetzt und überrascht“ über die neuerliche Razzia in Berliner DRK- Einrichtungen geäußert. „Wir möchten, dass die Vorwürfe schnell abschließend geklärt werden, damit das Deutsche Rote Kreuz (DRK) sich wieder den medizinischen Aufgaben und dem humanitären Auftrag widmen kann“, hieß es in einer am Donnerstag verbreiteten Erklärung. Die durchsuchten DRK-Kliniken gehören der DRK-Schwesternschaft Berlin.
Durch den Betrug sei den Krankenkassen ein erheblicher Schaden entstanden, hieß es bei den Ermittlungsbehörden. Der Verband der DRK- Schwesternschaft Berlin, dem die Kliniken gehören, wollte sich zunächst nicht zu den Vorgängen äußern. Die DRK-Kliniken Berlin sind ein gemeinnütziger Verbund mit fünf Krankenhäusern und einem Pflegeheim. Sie beschäftigen rund 3500 Mitarbeiter.
dpa/dapd/tj



