Anti-Atom-Demo

Zehntausende umzingeln das Regierungsviertel

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Die schwarz-gelben Pläne über längere Laufzeiten von Deutschlands Atomeilern treiben die Bürger ins Regierungsviertel. An der Berliner Großdemonstration sollen laut Veranstalter 100.000 Menschen teilgenommen haben.

Rund 100 000 Menschen haben sich nach Angaben der Veranstalter an einer Großdemonstration gegen die Atompolitik der Bundesregierung in Berlin beteiligt. Die Demonstration richtete sich besonders gegen den Plan der schwarz-gelben Bundesregierung, die Laufzeiten der Atomkraftwerke um durchschnittlich zwölf Jahre zu verlängern. Unter dem Motto „Atomkraft: Schluss jetzt“ startete ein langer Protestzug am Mittag am Hauptbahnhof und zog durch die Innenstadt. Bereits zum Auftakt hatten sich mehr als 10.000 Menschen versammelt. Am Nachmittag sollte eine Menschenkette um Reichstag und Kanzleramt gebildet werden. Das Verwaltungsgericht Berlin hatte eine Kundgebung auf der Wiese vor dem Reichstag untersagt.

Über dem Gelände zwischen Hauptbahnhof und Spree flatterte schon am Mittag ein Meer von Fahnen im stürmischen Wind. Besonders häufig zu sehen: die gelbe Fahne mit der roten Sonne und dem Schriftzug „Atomkraft? Nein Danke“ der Anti-Atomkraft-Bewegung der 80er Jahre. Daneben wehten aber auch zahlreiche rote Fahnen von SPD und Linke, Transparente der Grünen und der Globalisierungskritiker von Attac.

Auf einem gelbem Bauwagen hinter einem großen Traktor aus Niedersachsen stand: „Jahrzehntelang belogen - jahrtausendelang verstrahlt“. Ein großes Plakat verkündete: „Laufzeitverlängerung - unserer Enkel werden strahlen“.

Zu Beginn der Demonstration spielte die niederländische Band Bots, die zu fast jeder großen Friedensdemonstrationen in den 80er Jahren in Bonn gehörte. Ältere Demonstranten mit grauen Haaren klatschen zu dem alten Hit „Was wollen wir trinken?“. Der Altersdurchschnitt der Teilnehmer lag eher im oberen Bereich, aber auch junge Eltern mit kleinen Kindern und Schüler liefen mit.

Anmelder der Demonstration waren mehrere Umweltverbände. Politiker waren als Redner nicht erwünscht. Als Teilnehmer hatten sich aber der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel, die Grünen-Vorsitzenden Claudia Roth und Cem Özdemir sowie die Spitzenvertreter der Linkspartei, Gesine Lötzsch und Gregor Gysi, angesagt.

Nach Angaben der Veranstalter kamen drei Sonderzüge und 150 Busse aus ganz Deutschland nach Berlin. Bei der letzten großen Anti-Atom- Demonstration in Berlin vor einem Jahr fuhren hunderte Bauern aus Niedersachsen mit mehr als 300 Traktoren vor dem Brandenburger Tor auf. Damals sprach die Polizei von 36.000 Teilnehmern, die Veranstalter von 50.000.

( dpa/ap )