Diesmal ist es ein Freispruch. Renate W. sitzt fassungslos auf der Zuschauerbank im Saal 217 des Moabiter Kriminalgerichts. Natürlich habe sie Angst, wird sie später sagen. Sie wisse ja, wie ihr Mann ticke. „Da ist nur noch Hass!“
Der 58-jährige Gerd W. und seine ein Jahr jüngere Frau waren 33 Jahre lang verheiratet. In den letzten Jahren aber nur noch auf dem Papier. Jeder von ihnen hat seine Sicht auf diese Ehe. Sie langweilte sich. Er fühlte sich unterdrückt. Normalerweise folgt irgendwann die Scheidung. Doch Gerd W. wählte einen anderen Weg.
In einem Urteil des Berliner Landgerichts steht, dass er seit 1996 versuchte, einen Killer für seine Ehefrau zu finden. Da gab es 2002 zum Beispiel die Geschichte mit dem libanesischen Asylbewerber, der in dem Wohnheim lebte, das Gerd und Renate W. im Berliner Ortsteil Mahlsdorf führten. Doch der Plan ging schief. Ein von dem Libanesen gedungener vermeintlicher Auftragsmörder kassierte 2000 Euro Anzahlung und versuchte hernach, Gerd W. um mehr Geld zu erpressen. Im Jahr 2005 wählte Gerd W. den Hausmeister des Wohnheims als Mittelsmann. Der sagte zum Schein zu, ging aber zur Polizei.
Konsequenz war ein Prozess, der für Gerd W. im März 2006 zu einer Verurteilung wegen versuchter Anstiftung zum Mord führte. Er musste für fünf Jahre hinter Gitter. Im Gefängnis Tegel traf er auf Helmut S. Der damals 46-Jährige war zu lebenslänglich verurteilt worden, weil er eine Horde Jugendlicher dirigierte, die ein Mädchen zur Prostitution zwingen wollten. Sie hatten es auf seine Weisung hin barbarisch getötet, als es sich weigerte. Helmut S. ging vermutlich sofort darauf ein, als Gerd W. mit seinen Hasstiraden gegen seine Frau kein Ende fand. Seine Jungs draußen würden das leicht in Griff bekommen, hatte er geprahlt. Angeblich, so Helmut W., habe Gerd W. sehr schnell Interesse bekundet und erneut einen Auftrag für den Mord gegeben.
Kurz darauf bekam er Besuch im Gefängnis: ein Rocker, tätowiert, mit Lederklamotten. „Sollen wir deine Frau wirklich wegmachen?“ fragte er. Und auch als Gerd W. zugestimmt haben soll, will er sich damit noch nicht zufrieden gegeben und hartnäckig nachgefragt haben: „Bleibt es bei dem Auftrag?“
Es war ein verdeckter Ermittler, der diesen Dialog ein paar Monate später als Zeuge vor Gericht zu Protokoll gab. Gerd W. bestritt diesmal den Mordauftrag. Eine Moabiter Strafkammer verurteilte ihn dennoch zu sieben Jahren Haft.
Gerd W. ging in Revision und hatte Erfolg. Der Bundesgerichtshof kassierte das Urteil mit der Begründung, der verdeckte Ermittler habe Gerd W. bei dem Gespräch im Gefängnis regelrecht genötigt.
Eine andere Moabiter Strafkammer musste diesen Fall am Donnerstag nun noch einmal verhandeln. Es wurde ein kurzer Prozess. Die Angaben des verdeckten Ermittlers durften nicht mehr verwertet werden. Es blieb nur noch die Aussage von Helmut S. Der schwieg diesmal. Um sich nicht selber zu belasten; wie er sagte. Vermutlich aber auch, weil er für die erste Denunziation nicht die erhofften Vergünstigungen bekommen hatte. So war der Prozessausgang programmiert. Schon der Staatsanwalt plädierte für einen Freispruch.
Im Mai 2011 hat Gerd W. die fünf Jahre des erstens Verfahrens abgesessen. Er und seine Frau sind inzwischen geschieden. Aber Renate W. kann nicht daran glauben, dass nun wirklich alles beendet ist.


