Die Polizei ist einer Bande von Autodieben auf die Spur gekommen, die in großen Stil in Berlin gestohlene Fahrzeuge auseinandergebaut und anschließend ins Ausland verschoben hat. Drei Tatverdächtige, zwei Litauer und ein Deutscher, sind am Montagabend bei einer Razzia in Neubensdorf im Landkreis Potsdam-Mittelmark festgenommen worden. Am Mittwoch kamen sie in Untersuchungshaft. Auf dem Gelände einer ehemaligen landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaft stellten die Beamten zwei gerade erst gestohlene BMW-Limousinen sowie Einzelteile von 19 weiteren in Berlin entwendeten Autos derselben Marke sicher.

Wie die Polizei am Dienstag mitteilte, waren sämtliche Fahrzeuge seit dem 26. Juli in der Bundeshauptstadt als gestohlen gemeldet worden. Die Autodiebe haben nach Polizeiangaben überwiegend im Charlottenburger Westen und Zehlendorfer Süden zugeschlagen.

Das Landeskriminalamt Berlin hatte schon seit geraumer Zeit gegen den Autoschieberring ermittelt. Etwa 20 Beamte aus Berlin und Brandenburg stürmten am Montag um 18 Uhr das direkt an der Bundesstraße 1 gelegene Grundstück an der Genthiner Straße in Neubensdorf. Bei der Durchsuchung mehrerer Gebäude entdeckten die Polizisten zunächst zwei BMW, die erst am Wochenende in Charlottenburg und Nikolassee gestohlen worden waren. Die Beamten überraschten zwei aus Litauen stammende 28 und 30 Jahre alte Männer, die in einer Halle gerade mit dem Zerlegen von gestohlenen Autos beschäftigt waren, und nahmen sie fest. Gegen den Älteren lag bereits ein Haftbefehl vor.

Bei der weiteren Überprüfung der Halle bestätigte sich der Verdacht, dass dort im Berliner Westen und Süden gestohlene BMW praktisch im Akkord in ihre Einzelteile zerlegt wurden. Die Polizisten konnten in der Halle Teile von insgesamt 19 BMW der 3er- und 5er-Reihe Diebstählen zuordnen, die seit dem 26. Juli entwendet wurden. Demzufolge landete nahezu täglich ein Auto des bayerischen Herstellers zum Zerlegen in der früheren LPG-Halle. Auch der 64 Jahre alte Besitzer des Grundstücks wurde festgenommen.

Zwei jeweils 44 Jahre alte Deutsche aus dem Ort, die auf dem Gelände waren, kamen zunächst auf freien Fuß. Nach Angaben von Polizeisprecher Torsten Ringel dürften sie eher eine untergeordnete Rolle bei den Machenschaften des Autoschieberrings gespielt haben. Gegen die drei Festgenommenen hat die Staatsanwaltschaft Haftbefehle wegen gewerbsmäßiger Bandenhehlerei beantragt, sie wurden einem Richter vorgeführt. Die Anschlussermittlungen hat die Kripo Brandenburg übernommen, um die Hintermänner, die professionell ausgerüsteten Diebe sowie die logistischen Strukturen aufzuklären.

Im Jahr 2009 wurden in Berlin mehr als 7100 Pkw gestohlen, der Anstieg gegenüber 2008 betrug rund 36 Prozent.