Pro

"Ihr habt es nicht anders gewollt"

Isabell Jürgens freut sich über hundefreie Grünanlagen

Ich sitze auf einer Parkbank im Großen Tiergarten, neben mir eine junge Hundehalterin mit ihrem Mischlingsrüden. Während ich versuche, ein Buch zu lesen, gräbt der Hund eine riesige Kuhle unter der Bank, legt das Fundament frei. Die ausgebuddelte Erde landet im Blumenbeet und begräbt die Pflanzen unter sich. Als ich die Untätigkeit der Besitzerin nicht mehr aushalte und sie anspreche, bekomme ich zur Antwort: „Der Max muss sich austoben.“ Liebe Hundehalter, den Platzverweis für eure Vierbeiner habt ihr euch wirklich selbst zuzuschreiben. Wenn ihr beharrlich die Leinenpflicht ignoriert, die Hinterlassenschaften auf der Liegewiese geflissentlich überseht und mit dem Hinweis „Der will doch bloß spielen“ die Ängste eurer Mitbürger einfach beiseiteschiebt, müsst ihr euch nicht wundern, dass immer mehr Bezirke die Grünanlagen für Hunde sperren. Und anstatt das Verbot als hundefeindlich zu bejammern, solltet ihr lieber dafür sorgen, dass eure Lieblinge künftig nicht mehr unangenehm auffallen. Erst dann kann auf das Verbot wieder verzichtet werden.

Contra

Bestraft werden die Vorbilder

Tanja Laninger hält den Platzverweis für Hunde für falsch

Danke schön! Da habt ihr eure Hunde also laufend bellen, austreten und beißen lassen. Was manchen Parkbesucher in Schrecken versetzte, hat nun die Obrigkeit auf den Plan gerufen. Maulkorb- und Leinenzwang haben ausgedient, als Nächstes dürfen Hunde nicht mehr in Parks – ein Platzverbot, wie man es aus dem Zusammentreffen von Polizisten und Tatverdächtigen kennt. Der Köter, das kriminelle Wesen. Wann schlägt jemand Fußfesseln vor?

Jetzt verschwindet also der Vierbeiner aus dem schönsten Teil der Öffentlichkeit. Wem ist damit geholfen? Den Ängstlichen. Bestraft werden die Vorbilder. Denn im Park herumtollen darf selbst das Tier nicht mehr, das pariert, dessen Herrchen oder Frauchen Geduld und Liebe und Geld in Erziehung und Hundeschule gesteckt haben. Von der Hundesteuer gar nicht zu reden. Wird die im Gegenzug abgeschafft? Nun, wohl erst dann, wenn sich kein Hund mehr auf Friedrichshains Straßen blicken lassen darf. Das Platzverbot macht den Bezirk kaum sicherer. In jedem Fall aber einseitig, streng und freudlos.