Urteil

Berliner Graffitisprayer muss ins Gefängnis

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Ein polizeibekannter Graffitisprayer muss für zwei Jahre in Haft. Der 34-Jährige, der unter dem Szenenamen "Saphir" bekannt ist, wurde vom Amtsgericht Berlin-Tiergarten wegen mehrfacher Sachbeschädigung und Diebstahls verurteilt.

Ein Berliner Graffitisprayer muss zwei Jahre ins Gefängnis. Das Amtsgericht Berlin-Tiergarten verurteilte den 34-Jährigen wegen Sachbeschädigung in 40 Fällen und wegen Diebstahls, wie am Donnerstag im Kriminalgericht Moabit bekannt wurde. Der Verurteilte ist in der Graffiti-Szene unter dem Künstlernamen "Saphir" bekannt. Er hatte nach Angaben einer Justizsprecherin gestanden, Häuserwände, S-Bahnen und U-Bahnen besprüht zu haben. Die Schadensumme beträgt 30.000 Euro.

Bereits 18 Mal wurde der Sprayer seit 1991 verurteilt, darunter wiederholt wegen Sachbeschädigung und Diebstahls. So war "Saphir" im August 2004 wegen Raubes zu vier Jahren und zwei Monaten Haft verurteilt worden. Er hatte seinerzeit in einem Baumarkt Spraydosen entwendet und bei seiner Entdeckung den Hausdetektiv mit einem Messer bedroht. Außerdem hatte er Steine auf einen Passanten geworfen, der ihn am S-Bahnhof Westkreuz beim Sprühen erwischt hatte. Schon kurz nach seiner Haftentlassung war er wieder mit Spraydosen unterwegs gewesen.

Erst am Mittwoch war der Bundespolizei ein Schlag gegen die Graffiti-Szene in Berlin gelungen. Bundespolizisten konnten gegen 3 Uhr am S-Bahnhof Berlin-Buch drei Sprayer festnehmen, die gerade dabei waren, einen vor dem Bahnhof abgestellten Zug großflächig mit Graffiti zu besprühen. Die Männer im Alter von 28 und 29 Jahren stammen aus Pankow und Karow. Die drei Tatverdächtigen sind einschlägig bekannt und gelten als Größen in der Szene. Laut Bundespolizei gehören sie zu einer der aktivsten Sprayergruppierung in Berlin. Dieser werden in bereits anhängigen Verfahren Sachbeschädigungen in Höhe von mehr als einer halben Million Euro zur Last gelegt.

Die Sprayer gehen bei ihren illegalen Aktionen äußerst professionell und zudem aggressiv vor. Auch in Buch verfügte einer der Tatverdächtigen über ein sogenanntes Einhandmesser. Diese Messer können mit einer Hand ausgeklappt werden und sind seit der Verschärfung des Waffengesetzes im Jahr 2008 verboten.

Wegen der geringen Gefahr, gefasst und auch am Ende auch verurteil zu werden, gilt Berlin seit Jahren als Europa-Hauptstadt der Sprayer. Wer in der Szene etwas gelten will, muss sich hier verewigt haben, heißt es. Besonders oft sind Wagen der Berliner S-Bahn das Ziel der Attacken, weil diese quer durch die Stadt fahren und damit für eine weite Verbreitung der Bilder sorgen, die auch in einschlägigen Foren im Internet veröffentlicht werden. Je höher die Bekanntheit des Schriftzuges, desto höher der zweifelhafte Ruhm des Sprayers. In den vergangenen Monaten hat sich dieser Trend noch verstärkt, weil die S-Bahn beschmierte Züge nicht mehr wie früher sofort zur Reinigung aus dem Verkehr zieht. Das Unternehmen kann wegen Wartungsmängeln nur einen Teil seiner Fahrzeugflotte einsetzen, aktuell sind es rund 400 der insgesamt 630 Zwei-Wagen-Einheiten. Die Entfernung der Graffiti erfolgt nun oft erst beim nächsten planmäßigen Werkstattaufenthalt.

Die S-Bahn und die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) geben jährlich rund 14 Millionen Euro für die Beseitigung der durch Vandalismus und Graffiti verursachten Schäden aus. Die Kosten werden zum größten Teil von den Fahrgästen und den Steuerzahlern übernommen, da die Verursacher der Schäden nur in ganz wenigen Fällen dafür aufkommen müssen.

Die Berliner Polizei informiert auf ihren Internetseiten darüber, warum Graffiti strafbar ist und mit welchen Folgen Sprayer rechnen müssen.

( dpa/sei/fü )