Der elfjährige Drogendealer aus Berlin soll für ein kind- und jugendgemäßes Aufwachsen möglicherweise für Jahre in einem sozialpädagogischem Erziehungsheim in Brandenburg untergebracht werden. „Wir reden hier nicht von Wochen oder Monaten“, sagte die zuständige Jugendstadträtin Manuela Schmidt (Linke) im Bezirk Marzahn-Hellersdorf. Ziel sei es, den Jungen „zu stabilisieren und auf den rechten Weg zu bringen“. Ob und wie Zur Zeit wird er dort abgeschottet. Schmidt sagte, es gehe darum, die Aspekte des Kinderschutzes zu beachten und das Vertrauen des Jungen zu gewinnen. „Das ist wirklich schwierig, mit diesen Kindern zu arbeiten, aber wir müssen es versuchen.“ Schließlich seien kriminelle Kinder nicht selbst schuld, dass sie so geworden sind, sondern immer hätten Erwachsene sie dahin gebracht. In regelmäßigen sogenannten Hilfeplankonferenzen würden die Beteiligten vom Jugendamt und den sozialpädagogischen Hilfeeinrichtungen die Entwicklung beobachten.
„Der Junge muss zur Ruhe kommen. Er ist fix und fertig“, sagte Sigrid Jordan-Nimsch vom Evangelischen Jugend- und Fürsorgewerk (EJF). Die Organisation hat sich als Spezialist im Umgang mit straffälligen Kindern und Jugendlichen einen Namen gemacht. EJF-Chef Siegfried Dreusicke sagte: „Wir wollen dem Jungen eine Zukunft ermöglichen – das geht nur mit Ruhe.“ Die öffentliche Diskussion und der Medienrummel seien nicht spurlos an ihm vorübergegangen. Laut Dreusicke kümmern sich mehrere Erzieher um den Jungen. Auch Mitarbeiter des deutsch-arabischen Zentrums in Berlin seien eingebunden. Dreusickes Organisation betreibt in fünf Bundesländern Heime für straffällig gewordene Jungen und Mädchen mit insgesamt rund 300 Plätzen. Mehr als 160 Plätze davon sind in Brandenburg – die meisten davon in der Uckermark. Wo genau der elfjährige Junge arabischer Abstammung untergebracht ist, will das EJF jedoch zum Schutz des Kindes nicht verraten.
Grundlage sei eine Einweisung ins Heim durch das Jugendamt Marzahn-Hellersdorf, das auch die Kosten von 240 Euro pro Tag nebst zusätzlicher Betreuungskosten bezahlt. „Da unser Grundsatz lautet ,Menschen statt Mauern', brauchen wir für ihn ein paar Menschen mehr“, sagte Dreusicke. Mit einer engmaschigen Kontrolle und Betreuung soll verhindert werden, dass der Junge erneut entwischt.
Der Neuköllner Bezirksbürgermeister Buschkowsky schrieb in einer Kolumne in der „Bild“-Zeitung, auch geschlossene oder weit entfernte Heime könnten Kinder nicht am Weglaufen und erneutem Abtauchen in die kriminelle Szene hindern. „Diese Kids können schneller laufen als unsere Behörden denken, wenn sie nicht ohnehin von ihren Hintermännern im schwarzen BMW abgeholt werden.“
Der angeblich elfjährige, arabischstämmige Arub M war ohne Eltern und Pass in einem Flugzeug aus dem Libanon gekommen und hatte Asyl beantragt. Erst am 20. Juli erhielt das Bezirksamt Marzahn- Hellersdorf die Zuständigkeit für die Unterbringung. Schmidt räumte ein, dass die Kinder auch aus Heimen etwa in der Uckermark weglaufen oder abgeholt werden könnten.
Der Junge, ein 13 Jahre alter Komplize sowie weitere gleichaltrige Rauschgifthändler waren in den vergangenen Monaten immer wieder beim Verkaufen von Heroin erwischt worden. Weil sie wegen ihres Alters nicht bestraft werden können, brachte die Polizei sie zu ihren Familien oder in Kinderheime, wo sie meist sofort wieder verschwanden. Die Polizei hat erhebliche Zweifel an dem Alter der Kinder und will das mit einer Röntgenanalyse klären lassen.
Der 13-Jährige war allerdings in den vergangenen Tagen wieder vermisst worden. Erst Mittwochmorgen trafen Beamte des Polizeiabschnitts 53 ihn wieder in Kreuzberg an - beim Dealen. Auf dem U-Bahnhof Gneisenaustraße beobachteten Polizisten ihn bei Handelstätigkeiten. Ein 27-jähriger Mann, dem der Junge Rauschgift verkaufen wollte, bestätigte der Polizei anschließend den gehegten Verdacht. Die Beamten nahmen den Jungen mit zur Dienststelle und beschlagnahmten mehrere in seinen Hosentaschen aufbewahrte Geldscheine als mutmaßlichen Handelserlös. Nach Abschluss der polizeilichen Maßnahmen wurde das Kind in die Obhut der zuständigen Behörden übergeben. Ob er nun auch in ein Heim in Brandenburg kommt, ist noch nicht bekannt.
dpa/sh



