Neues Heim

Andrang von Asylbewerbern überfordert Berlin

Eigentlich gehört das Konzept der Heimunterbringung der Vergangenheit an. Doch es kommen immer mehr Flüchtlinge nach Berlin. Die steigende Zahl der Asylbewerber setzt die Stadt unter Druck.

Berlin ist mit der Unterbringung von Asylbewerbern offensichtlich überfordert. Das Ziel der rot-roten Regierung, Flüchtlinge nicht mehr in Heimen, sondern in Wohnungen unterzubringen, kann der Senat derzeit nicht mehr einhalten. Obwohl der Senat sich eigentlich schon vor Jahren vom Konzept der Heimunterbringung verabschiedet hatte, wurde jetzt in Marzahn ein neues Heim für Asylbewerber geöffnet.

Etwa einhundert Plätze bietet das Heim, das bis Juli ausschließlich Anlaufstelle für Obdachlose gewesen ist. Jetzt wurde das Haus geteilt – Obdachlose und Asylbewerber müssen nun gemeinsam Unterschlupf finden, denn das Landesamt für Gesundheit und Soziales (LaGeSo) hat sich für ein Jahr eingemietet. Laut LaGeSo konnten 2009 nur noch 44 Prozent der Asylbewerber von der Erstaufnahmestelle in eine Wohnung ziehen. 2007 waren es noch 70 Prozent.

Neues Heim lediglich eine "Notlösung"

Der Grund: Laut Senatsverwaltung für Integration, Arbeit und Soziales ist die steigende Zahl von Asylbewerbern in Kombination mit einer steigenden Nachfrage nach kleinen Wohnungen auf dem Wohnungsmarkt Schuld daran, dass die "Notlösung" in Marzahn geschaffen wurde. "Wir halten nach wie vor daran fest, Asylbewerber in eigenen Wohnungen unterzubringen, aber jetzt musste einfach eine Unterkunft her", heißt es bei der Senatsverwaltung. Man habe in diesem Jahr bereits so viele Asylbewerber in Wohnungen untergebracht, wie im gesamten Jahr 2009 – aber die Nachfrage sei insgesamt einfach zu groß geworden. Wie langfristig mit dem Problem umgegangen werden soll, darüber gibt es noch keine Auskünfte.

In den vergangenen Jahren wurde die Zahl der Heimplätze kontinuierlich abgebaut. Doch seit 2006 steigt die Zahl der Asylbewerber in Berlin wieder an. Im vergangenen Jahr kamen 3896 neue Asylsuchende, 87 Prozent mehr als 2008.

Kritik von den Grünen

Der Engpass sei lange absehbar gewesen, kritisiert die integrationspolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion, Canan Bayram. Der schwierige Wohnungsmarkt sei eine Ausrede. "Dem Land stehen mit den eigenen Wohnungsbausgesellschaften andere Instrumente zur Verfügung als Privatpersonen, die keine Wohnung finden", sagte Bayram Morgenpost Online. "Hier wird still durch die Hintertür eine neue Praxis im Umgang mit den Asylbewerbern geschaffen." Mit den Investitionen in ein neues Asylbewerberheim würden Fakten für die Zukunft geschaffen. Der Senat müsse dringend Konzepte entwickeln, wie Flüchtlingen Wohnungen zugänglich gemacht werden könnten, fordert die Politikerin. "Sie müssen die Wohnungsbaugesellschaften stärker in die Pflicht nehmen– dort könnten Kontingente an Wohnungen für Flüchtlinge zur Verfügung gestellt werden. Das ist nicht teurer, als ein Gebäude als Heim zu betreiben."

Wegen des Ansturms prüft die Senatsverwaltung, die Erstaufnahmeeinrichtung (EAE) in der Motardstraße in Spandau zu vergrößern oder an einen neuen Standort zu ziehen, mit mehr Kapazitäten. Gebraucht werde laut Senatsverwaltung eine Größe von etwa 400 Plätzen. In der EAE verbringen die Flüchtlinge die ersten Monate nach ihrer Ankunft, nach höchstens sechs Monaten sollen sie aber in eine andere Unterkunft umziehen.

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