Großveranstaltungen

Das Verkehrschaos am Tempelhofer Feld bleibt

Das Feuerwerkfestival Pyromusikale hatte im vergangenen Jahr für Chaos rund um das Tempelhofer Flugfeld geführt. Und am Wochenende werden 15.000 Besucher zu einem Schlagerfestival erwartet. Doch ein Verkehrskonzept existiert noch immer nicht.

Das Verkehrskonzept für Großveranstaltungen auf dem ehemaligen Flughafen Tempelhof lässt weiter auf sich warten. Mitte oder Ende August will die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung die Pläne nun vorstellen, wie Sprecher Mathias Gille auf Anfrage bestätigt. Ursprünglich sollte das Konzept schon im März dieses Jahres vorliegen, später war von Mai, zuletzt von Juli die Rede.

Die erneute Verzögerung ärgert Bezirksstadtrat Oliver Schworck (SPD). Er befürchtet das nächste Verkehrschaos schon am Wochenende. Bei einem Schlagerfestival am Sonnabend erwarten die Veranstalter bis zu 15.000 Besucher auf dem Flugfeld. Viele kommen mit Bussen oder Autos aus dem Umland. Schworck ist "skeptisch bis pessimistisch", wenn er an die Situation in den angrenzenden Wohnvierteln denkt und verweist auf die schlechten Erfahrungen aus dem vergangenen Jahr. Beim Feuerwerkfestival "Pyromusikale" hatten Besucher auf Parkplatzsuche die gesamte benachbarte Gartenstadt rund um die Manfred-von-Richthofen-Straße und den Tempelhofer Damm blockiert. "So etwas will ich nicht noch einmal erleben", sagt der Stadtrat.

Unverständlich ist für Schworck vor allem, dass der Bezirk an den Diskussionen über das künftige Verkehrskonzept im Vorfeld gar nicht erst beteiligt wird. "Wir kennen die Situation der Anwohner – und wir möchten mitreden können", mahnt Schworck an. "Stattdessen macht die Senatsverwaltung ein Staatsgeheimnis aus den Planungen."

Behördensprecher Gille begründet die Verzögerung mit der Vielzahl von unterschiedlichen Veranstaltungen, die auf dem Flugfeld bereits geplant oder möglich seien. Von der Schlagerparty über Techno-Raves, Modemessen bis zu Militärmusik-Festivals reiche die Bandbreite. Jede Veranstaltung ziehe ein anderes Publikum mit anderen Anreise-Vorlieben an. Ein Gesamtkonzept müsse daher Reisebusse, Autos und den öffentlichen Nahverkehr gleichermaßen berücksichtigen. Und diese Abstimmung zwischen Immobilienmanagement, Planungsbüro, Senatsverwaltung, Polizei und Verkehrslenkungsbehörde dauere eben ihre Zeit.

Zusätzliche Parkplätze auf den riesigen Betonflächen der Rollbahn oder des Vorfeldes soll es aber in keinem Fall geben. Das bekräftigte die Senatsverwaltung erst jüngst auf eine Parlamentsanfrage des CDU-Verkehrsexperten Oliver Friederici. Geprüft wird nach Senatsangaben noch, ob ein zusätzlicher S-Bahnhof im Süden des Flughafengeländes sinnvoll ist. Die Station würde zwischen den bestehenden Bahnhöfen Tempelhof und Hermannstraße liegen.

Der Berliner Fahrgastverband Igeb hält den Neubau derzeit für den falschen Weg. Tempelhof sei schon jetzt sehr gut an den öffentlichen Nahverkehr angebunden, sagt Sprecher Jens Wieseke. Ein zusätzlicher Bahnhof würde die Reisezeiten auf der Ringbahn nur unnötig verlängern. Um ein Verkehrschaos zu vermeiden, sei es viel wichtiger, dass möglichst viele Flugfeld-Besucher mit Bussen und Bahnen von BVG und S-Bahn anreisen. Sein Vorschlag: Der Senat soll die Genehmigung für Großveranstaltungen davon abhängig machen, ob die Veranstalter ein sogenanntes Kombi-Ticket anbieten. Die Eintrittskarte würde dann zugleich als Fahrschein für den öffentlichen Nahverkehr gelten. Viele Veranstalter verzichten darauf, weil sie einen Teil der Einnahmen an die Verkehrsunternehmen abführen müssen. Die Höhe der Abgabe variiert je nach Veranstaltung.

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