Jugendkriminalität

Kirsten Heisigs Buch soll ihr Vermächtnis sein

Nach dem Selbstmord der bekannten Richterin Kirsten Heisig erscheint ihr Buch über Jugendkriminalität schon in diesem Monat. Noch am letzten Tag, an dem sie lebend gesehen wurde, hatte sie die letzten Korrekturen gemacht.

Nach dem Tod der prominenten Berliner Jugendrichterin Kirsten Heisig erscheint ihr Buch "Das Ende der Geduld" noch in diesem Monat. Das sagte die Sprecherin des Verlages Herder (Freiburg), Christine Weis, am. Ursprünglich sollte der Erfahrungsbericht von Heisig über ihren Kampf gegen jugendliche Kriminelle am 13. September herauskommen.

Die Sprecherin sagte, der Verlag sehe das Buch als ein Vermächtnis der engagierten Richterin, die sich das Leben genommen hatte. Eine Gesellschaft mit weniger Gewalt sei das große Anliegen von Heisig gewesen. Mit dem Buch habe sie bewegen und eine Debatte anstoßen wollen, wie Jugendkriminalität eingedämmt werden kann. Der Verlag trauere um seine Autorin. Ihr Tod habe unter den Mitarbeitern große Erschütterung ausgelöst.

Die 48-Jährige war am Sonnabend nach mehrtägiger Suche tot im Tegeler Forst entdeckt worden. Wenige Tage zuvor, am 28. Juni, habe Heisig dem Verlag letzte Textkorrekturen durchgegeben, berichtete die Sprecherin. Es war der Tag, an dem die Juristin das letzte Mal lebend gesehen wurde. Über die Gründe für den Tod der Richterin und Mutter zweier Töchter gibt es nur Spekulationen.

Heisig hatte das Neuköllner Modell initiiert, nach dem jugendliche Straftäter nach einem Delikt schnell und nicht erst Monate später bestraft werden sollen, um erzieherische Wirkung zu erreichen. Damit war sie bundesweit bekanntgeworden. Seit Juni gilt das vor mehr als zwei Jahren begonnene Projekt in ganz Berlin.

Die Berliner Justiz plant bislang keine Trauerfeier für Heisig. "Das hat die Familie zu entscheiden", sagte eine Gerichtssprecherin. Auch ein Kondolenzbuch solle nicht ausgelegt werden, da dies bei anderen verstorbenen Kollegen auch nicht gemacht werde. Heisigs Prozesse am Amtsgericht Tiergarten wurden indes von Vertretungsrichtern übernommen. Nur am Montag seien die Termine ausgesetzt worden, um einen Moment innezuhalten. Die Justizverwaltung will Heisig mit einer Todesanzeige würdigen.

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