Nach einer Serie von Rauberfällen auf zwölf Vietnamesen sind zwei Berliner Bundespolizisten am Dienstag zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt worden. Die Beamten wollten Machtgelüste ausleben, argumentierte der Richter Matthias Schertz vor dem Berliner Landgericht. Das Geld habe keine Rolle gespielt. Die Polizisten im Alter von 27 und 42 Jahren hatten insgesamt 663 Euro erbeutet. Bei den willkürlichen Kontrollen wurde ein Vietnamese auch geschlagen und bei Zeuthen ausgesetzt. Sie haben dem Ansehen der Polizei schwer geschadet, sagte Schertz. Beide waren Beamte auf Lebenszeit, sind vom Dienst suspendiert und werden ihre Stellung verlieren.
Der 42 Jahre alte Polizeihauptmeister gilt als Initiator der Überfälle. Der damalige Angehörige der Einheit „Polizeiliche Sonderdienste“ erhielt vier Jahre und neun Monate Haft. Sein untergebener Kollege bekam eine Strafe von drei Jahren und neun Monaten Gefängnis. Seit Febraur saßen beide in Untersuchungshaft. Bis zum Strafantritt kommen die Männer frei. Sie müssen sich wöchentlich bei der Polizei melden.
Am 2. Dezember 2009 begann die Serie, die stets nach dem gleichen Muster ablief. Die Kollegen saßen im Dienstwagen – ausgerüstet mit Schlagstock und Handfesseln. Sie suchten sich Opfer aus, die sich aus Respekt vor der Polizei nicht wehren würden, schilderte Schertz die Methode. Ein Vietnamese musste bei der willkürlichen Kontrolle an einem frostigen Abend die Hose herunterlassen. Damit er keine Hilfe holt, wurde die SIM-Karte seines Handys zerbrochen. Ein Landsmann, der in der Kälte barfuß in der Nähe seines Wohnheims Zigaretten kaufen wollte, wurde von den Beamten abgefangen. Der Mann wurde um 18 Euro beraubt. Schließlich wurde er an einem abgelegenen Bahngelände ausgesetzt.
Die Angeklagten haben sich bei den Opfern entschuldigt und bereuten ihr Fehlverhalten. „Es war Dummheit und Arroganz“, hatte der 42-jährige Polizist eingestanden. Die Konsequenzen hatte er nicht bedacht. Der frühere Beamte gabe Frust mit seinem Dienst als Motiv an. Er war viele Jahre in der Bekämpfung des illegalen Zigarettenhandels eingesetzt. Ertappter Straßenhändler seien kurze Zeit später wieder unterwegs gewesen, hatte der Mann seine Unzufriedenheit mit dem Job beschrieben. Der 27-Jährige hatte ausgesagt, er habe sich mitreißen lassen
Die Staatsanwaltschaft hatte für den 42-Jährigen fünf Jahre, für seinen Kollegen vier Jahre Haft beantragt. Die Verteidigung hatte Strafen unter vier Jahren beantragt.
dpa/sh

