Eigentlich sollten für Gerd Henrich, Chef der Firma Megaposter, mit dem Richtfest für die Humboldt-Box auf dem Schlossplatz in Mitte in der kommenden Woche sorgenfreie Zeiten anbrechen. Der Rohbau für die fünf Millionen Euro teure Box, die über das Bauvorhaben des Humboldt-Forums in Gestalt des Berliner Schlosses informieren soll, ist unfallfrei und nahezu im geplanten Zeitrahmen fertig geworden. Doch in die Freude über den Baufortschritt mischt sich die bange Frage, ob sich die Investition auch lohnen wird. Denn seit die Bundesregierung Anfang Juni beschlossen hat, den Baubeginn für das Schloss um zwei bis drei Jahre nach hinten zu verschieben, ist das gesamte Finanzierungskonzept für den fünfgeschossigen Bau mit der Aussichtsterrasse auf dem Dach ins Wanken geraten.

„Die Refinanzierung für das Gebäude sollte über die Werbung an den Bauzäunen und dem Baugerüst für das Schloss erfolgen“, sagt Henrich. Da sich der Baubeginn nun um mindestens zwei Jahre verschiebt, „gibt es aber leider weder Bauzäune noch Baugerüste“ Ein großes Problem. Denn allein mit den Eintrittsgeldern in Höhe von 2,50 Euro von den Besuchern der Ausstellung sowie aus den Pachteinnahmen für das Terrassencafé und ein Restaurant mit 400 Quadratmetern ließen sich die Kosten für das Gebäude mit einer Nutzfläche von 3000 Quadratmetern nicht begleichen.

Von den Nutzern des Gebäudes – Humboldt-Universität, Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Berliner Landesbibliothek und Förderverein Berliner Schloss – darf der Unternehmer laut Vertrag keine Miete verlangen. „Wir verhandeln deshalb gerade mit dem Senat über eine Vertragsanpassung.“ Nach Henrichs Vorstellung ließe die sich relativ problemlos gestalten, wenn ihm gestattet werde, nun an der Box selbst Großwerbung aufzuhängen. „Damit könnten wir die Finanzierungslücke schließen“, so Henrich.

Ob das erlaubt wird, ist fraglich: Die Berliner Bauordnung sieht die Gebäudewerbung im denkmalgeschützten Bereich am Berliner Dom jedoch nicht vor.

Während es bei der Senatorin für Stadtentwicklung, Ingeborg Junge-Reyer (SPD) gestern nur hieß, dass derzeit „verschiedene Optionen geprüft“ werden, wird der zuständige Baustadtrat von Mitte, Ephraim Gothe (SPD), schon deutlicher: „Weil der Bund seine Baumaßnahme verschiebt, sollen wir jetzt die Box mit Werbung zuhängen? Da mache ich nicht mit.“ Zwar sehe er ein, dass dem Bauherrn, der an der Situation schließlich keine Schuld habe, geholfen werden müsse. „Aber es wäre doch total peinlich, wenn zwischen Dom und Lustgarten nun Riesenwerbung hängt“, sagt Gothe. Im Übrigen sei es problematisch, jetzt Ausnahmen von der Bauordnung zu genehmigen: „Mit welchem Recht können wir das dann anderen Immobilienbesitzern verwehren?“ fragt der Baustadtrat.

Während also die Werbe-Frage noch völlig ungeklärt ist, soll aber zumindest am Konzept der Info-Box nichts geändert werden. „Das Schloss ist ja schließlich nur verschoben und nicht aufgehoben“, sagt Henrich. Es sei daher immer noch sinnvoll, in der Box über die Geschichte des Schlosses und die künftigen Ausstellungsinhalte des Humboldt-Forums zu informieren. Ob das Schloss 2017 oder auch erst zehn Jahre später fertig werde, spiele ebenfalls keine Rolle, so Henrich. „Die Box ist so solide gebaut, dass es egal ist, ob sie nun fünf oder 15 Jahre dort steht.“