Prozess

Berliner wegen 345-fachen Missbrauchs verurteilt

Jahrelang hat sich ein Berliner an dem Sohn seiner Lebensgefährtin vergangen, nun muss er für 345 Übergriffe in Haft. Die Staatsanwaltschaft hatte ihn in weit mehr Fällen angeklagt.

Wegen 345 sexueller Übergriffe auf den Sohn seiner Lebensgefährtin muss ein Berliner sechs Jahre in Haft. Nach Überzeugung des Berliner Landgerichts hatte sich der Angeklagte in der gemeinsamen Wohnung an dem anfangs sieben Jahre alten Jungen vergangen.

Der 47-jährige Gelegenheitsarbeiter habe das Kind über Jahre hinweg zum Objekt seiner sexuellen Befriedigung herabgewürdigt, urteilten die Richter. Außerdem habe er den Jungen gezwungen, Pornofilme zu schauen.

Der Mann hatte seine Taten bis zuletzt bestritten. Das Gericht glaubte seinem Opfer, dem inzwischen 26-jährigen Pflegehelfer, der sich qualvollen Vernehmungen gestellt hatte. Schluchzend hielt er dem Angeklagten vor: „Warum hast du das getan?“ Die psychisch kranke Mutter habe ihm nicht helfen können, schilderte er vor Gericht seine bedrückende Situation.

Zunächst hatte die Staatsanwaltschaft ihn in mehr als tausend Fälle angeklagt, die aber nicht nachgewiesen wurden. Die Anwältin des Pflegehelfers hatte am Rande des Prozesses erklärt, sie ziele nicht auf eine hohe Strafe ab. Wichtig sei, dass ein Gericht das Unrecht feststellt. Die Nebenklägerin begrüßte die durch die Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche entstandene Diskussion. Vielleicht finden Opfer jetzt eher den Mut zur Anzeige und erhalten schneller Gehör, sagte sie.