In Berlin wächst jedes dritte Kind in Armut auf. Insgesamt sind 172.000 Kinder und Jugendliche auf staatliche Hilfsleistungen wie Hartz IV angewiesen. Derzeit sind 491.000 Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren in der Hauptstadt gemeldet. Besonders hoch ist das Armutsrisiko für Minderjährige, die von alleinerziehenden Eltern großgezogen werden. Fast jedes zweite von Armut betroffene Kind lebt bei nur einem Elternteil (44,1 Prozent). Das geht aus einer Antwort von Sozialsenatorin Carola Bluhm (Linkspartei) auf eine parlamentarische Anfrage hervor. Die meisten hilfsbedürftigen Minderjährigen leben demnach in Mitte (26.453) und Neukölln (25.541). Die wenigsten in Steglitz-Zehlendorf (6757) und Treptow-Köpenick (7315). Besorgniserregend ist die Situation der Kleinkindern. Die unter Achtjährigen stellen den aktuellen Zahlen zufolge den größten Teil der armen Minderjährigen (88.000).

Der Senat versucht, mit einer Reihe von Hilfestellungen, die soziale Situation in den betroffenen Schwerpunktstadtteilen zu verbessern. So sieht das Programm „Monitoring soziale Stadtentwicklung“ vor, bis zu 50 Millionen Euro in Krisenkieze zu investieren. Drei davon sind Wedding/Moabit, Kreuzberg-Nordost und Neukölln-Nord. Sie bilden jeweils große Gebiete, in denen sich soziale Probleme wie Arbeitslosigkeit, Abhängigkeit von Transferleistungen, Abwanderung in andere Kieze und Kinderarmut ballen. Bislang waren offenbar alle Bemühungen des Senats zum Scheitern verurteilt. Trotz Millioneninvestitionen hat sich die Situation hier nach Erkenntnissen des Stadtsoziologen Hartmut Häußermann in den vergangenen Jahren weiter verschlechtert. Er hat im Auftrag des Senats das Monitoring-Programm erstellt.

Diesen Trend sieht auch Neuköllns Bürgermeister Heinz Buschkowsky (SPD). „Ich sehe nicht, dass die Entwicklung, die seit 15 Jahren im Gang ist, aufgehalten oder sogar umgekehrt wird“, sagte Buschkowsky. Im Gegenteil. Der Bezirk entfalte eine Sogwirkung für sozial schwache Familien. Neukölln musste demnach im vergangenen Jahr 1,5 Millionen Euro zusätzlich für Erziehungsleistungen ausgeben, weil arme Familien aus anderen Bezirken zugezogen seien. Daran ändert seinen Angaben nach auch nichts, dass Stadtteile wie das sogenannte Kreuzkölln mittlerweile zu den Szenekiezen gehören. „Leute, die um 22 Uhr kommen und bis sechs Uhr morgens Caipis trinken, ändern die Sozialstruktur nicht“, sagte Buschkowsky. Auch den vom Senat beschlossenen „Aktionsraum plus“ steht er skeptisch gegenüber. Die vorgesehenen Bundesmittel stehen auf der Streichliste der schwarz-gelben Bundesregierung.