In der evangelischen Kirche Sankt Matthäus in Tiergarten hat sich am Abend während des "Aschermittwoch der Künstler" ein unbekannter Mann zwischen 60 und 70 Jahren nackt ausgezogen und den Gottesdienst gestört. Vor mehreren Hundert Teilnehmern drang er nackt bis in den Altarraum vor. Dort predigte während der ökumenischen Feier gerade das Oberhaupt der katholischen Kirche Berlin-Brandenburg, Georg Kardinal Sterzinsky.
Dabei warf der Störer den Kirchen vor, den Menschen eine zu große Last aufzuerlegen. Wörtlich sagte er: „Ihr verheimlicht, was hinter verschlossenen Türen vorgeht“. Anschließend wurde er durch den Gesang der Gottesdienstbesucher zum Schweigen gebracht und von einigen Zelebranten zur Tür geführt. Bis die Polizei eintraf, war er verschwunden.
Der Mann habe „erkennbar seelische Schmerzen“ gehabt, sagte der Direktor der St. Matthäus-Stiftung, Christhard-Georg Neubert. Anzeige wurde nicht erstattet.
Kirchenvertreter wandten sich gegen Spekulationen, der Störer könnte die erst vor kurzen bekannt gewordenen Fälle von sexuellem Missbrauch und Misshandlungen am nahelegenen Jesuitengymnasium Canisius-Kolleg gemeint haben. Der evangelische Bischof Markus Dröge meinte am Rande des Empfangs, es habe sich wohl um einen verwirrten Menschen gehandelt.
KNA/EPD/sei




