Ein Professor hat schwere Plagiatsvorwürfe gegen Berlins Verkehrssenatorin Manja Schreiner erhoben. In einem Gastbeitrag in der "Bild am Sonntag" bezichtigt der Frankfurter Rechtswissenschaftler Roland Schimmel die CDU-Politikerin, zahlreiche Zitate nicht markiert zu haben. Laut einem Experten habe Schreiner in einem Maße abgeschrieben, dass ihr "Doktotitel ziemlich sicher entzogen" wird.

Demnach soll Schreiner in ihrer Doktorarbeit "über 100 klare Plagiate" eingebaut haben. Wie der Gründer der Plagiatsplattform "VroniPlagWiki", Martin Heidingsfelder, der "BamS" erklärte, nutzte sie dabei zahlreiche "Bauernopfer". Bei der Methode werden Zitate nur teilweise als solche deklariert, um den Anschein zu erwecken, dass eigene Passagen deutlich länger sind.

Verkehrssenatorin Schreiner soll in ihrer Doktorarbeit plagiiert haben

Schreiner hatte 2007 an der Universität Rostock mit dem Arbeitstitel "Arbeitnehmerberücksichtigung im Übernahmerecht" promoviert. Wie Plagiatsjäger Heidingsfelder ihr bescheinigte, machte sie "bei ihren Plagiaten gravierende Fehler". Demnach nenne sie zwar die Quellen, übernehme aber komplette Passagen, ohne entsprechende Kennzeichnung durch Anführungszeichen.

Schreiner hatte das Amt der Verkehrssenatorin erst im April 2023 angetreten. Gleich zu Beginn ihrer Amtszeit war ihr aufgrund der Entscheidung fertig geplante Radweg-Projekte zu stoppen, heftiger Gegenwind ins Gesicht geblasen. Der Juristin verlieh die Morgenpost bei der 100-Tage-Bilanz des neuen Schwarz-Roten Senats infolgedessen das Prädikat "Schwachpunkt". Neben dem Verkehr gehören auch die Abteilungen Umwelt und Klimaschutz zu Schreiners Ressort.

Erfahrungen mit Plagiatsvorwürfen gibt es im Berliner Senat bereits. Franziska Giffey musste 2021 in der Folge ihrer Überführung als Plagiatorin bei ihrer Dissertation als Bundesfamilienministerin zurücktreten. Der erste Politiker, der über Plagiate stolperte, war CSU-Hoffnungsträger Karl-Theodor zu Guttenberg, der infolge eines politischen Bebens 2011 seinen Stuhl als Verteidigungsminister räumen musste. Eine weitere Politikerin, die von ihrem Ministerposten zurücktreten musste, war Annette Schavan. Nachdem geringfügige Schummeleien bei der Promotion aufflogen, warf die CDU-Politikern im Bildungsressort 2014 das Handtuch.

BM