Verkehr

Kritik an teureren Tickets für BVG und S-Bahn

Ab Januar steigen die Ticketpreise für U-Bahn, S-Bahn, Bus und Tram. Kritik kommt vom Verkehrsclub. Die neuen Tarife im Überblick.

Ab 1. Januar 2020 steigen die Ticketpreise für U-Bahn, Bus, S-Bahn und Tram.

Ab 1. Januar 2020 steigen die Ticketpreise für U-Bahn, Bus, S-Bahn und Tram.

Foto: Christoph Hardt / imago/Future Image

Potsdam. Mit Beginn des kommenden Jahres steigen in Berlin und Brandenburg die Fahrpreise für Pendler, die das ABC-Ticket nutzen - beim Verkehrsclub VCD Brandenburg stößt das auf Unverständnis und Kritik. Die Erhöhung sei "das falsche Signal zur falschen Zeit", erklärte Verbandschef Fritz Viertel am Freitag. Damit die Verkehrswende gelinge, müssten mehr Menschen vom Umstieg auf Bus und Bahn überzeugt werden. Höhere Fahrpreise bewirkten genau das Gegenteil. Besonders hart treffe es die Pendler in Brandenburg, weil vor allem die Preise für das Tarifgebiet C deutlich angehoben werden.

Ab 1. Januar steigen nach Angaben des Verkehrsverbunds Berlin- Brandenburg (VBB) die Preise für ABC-Einzeltickets von 3,40 Euro auf 3,60 Euro, für ABC-Tageskarten von 7,70 Euro auf 9,60 Euro. Die ABC-Abo-Umweltkarte kostet statt 992 Euro künftig 1008 Euro. Der Preis der Umweltkarte AB im Berliner Stadtgebiet ändert sich im kommenden Jahr dagegen nicht.

Besonders stark steigt der Preis für ein Tagesticket: von 7 Euro auf 8,60 Euro. Bislang hatte sich das Tagesticket schon ab drei Fahrten gelohnt. Dieser Preisvorteil schmilzt durch die Preiserhöhung praktisch vollständig ab. Zum Vergleich: Bei einem Preis von 7 Euro für das Tagesticket und 2,80 Euro für den Einzelfahrschein ergab sich eine Ersparnis von 1,40 Euro. Bei den neuen Tarifen sind es nur noch 10 Cent. Hier lohnt sich für Fahrgäste jetzt die Vier-Fahrten-Karte, die mit 9 Euro im Preis stabil bleibt. Vier Einzelfahrscheine kosten künftig 11,60 Euro.

VBB-Geschäftsführerin Susanne Henckel hatte zu den Preiserhöhungen in einer Mitteilung erklärt, vor dem Hintergrund steigender Kosten bei den Verkehrsunternehmen im VBB käme man an moderaten Fahrpreiserhöhungen nicht vorbei. "Wir brauchen nach zwei Jahren der Preisstabilität auch weitere Einnahmen über die Ticketerlöse", so Henckel. Die Preise waren zuletzt Anfang 2017 erhöht worden.

Tickets bei BVG und S-Bahn - die alten Preise und die geplanten neuen Tarife in der Übersicht

Berlin AB Alter Preis Neuer Preis
Einzelticket 2,80 2,90
Tageskarte 7,00 8,60
Monatskarte 81,00 84,00
Jahresabo (mtl. Abbuchung) 761,00 761,00
Jahresabo (jährl. Abbuchung) 728,00 728,00
Berlin ABC Alter Preis Neuer Preis
Einzelticket 3,40 3,60
Tageskarte 7,70 9,60
Monatskarte 100,50 104,00
Jahresabo (mtl. Abbuchung) 992,00 1008,00
Jahresabo (jährl. Abbuchung) 961,00 978,00

Der VCD Brandenburg rechnet wegen der Fahrpreiserhöhung im Umland mit einem weiteren Anstieg des Autoverkehrs und damit steigenden Verkehrsproblemen an der Berliner Stadtgrenze. Pendler würden durch die Erhöhung der Preise dazu verleitet, mit dem Auto aus den Umlandgemeinden zu den ersten S-Bahnhöfen hinter der Tarifgrenze zu fahren und erst dort auf den öffentlichen Verkehr umzusteigen, befürchtet Viertel.

Templin: Besseres Angebot, niedrige Preise, mehr Fahrgäste

Die Linken in Brandenburg forderten, die Finanzierung des öffentlichen Nahverkehrs grundsätzlich zu überdenken. Schon heute würden im VBB nur 47 Prozent der Kosten durch Fahrscheineinnahmen gedeckt, erklärte die Landesvorsitzende Anja Mayer am Freitag. Höhere Fahrpreise führten zu keiner Kostendeckung und bestraften stattdessen diejenigen, die sich schon klimafreundlich verhielten. Deshalb sei ein gemeinsames Sozialticket für Brandenburg und Berlin "überfällig."

Wie niedrigere Fahrpreise gekoppelt mit dem Ausbau des Nahverkehrsangebotes zu mehr Fahrgästen führten, zeigt nach Einschätzung des Verkehrsclubs Templin (Uckermark). In der Stadt sei seit 1997 die Zahl der Fahrgäste von 41.000 auf heute rund 200.000 gestiegen. Grund dafür ist demnach eine Verbesserung des Angebotes bei gleichzeitiger Einführung eines sehr günstigen, fahrscheinlosen Nahverkehrsmodells.