Nahverkehr

Tickets für Busse und Bahnen in Berlin sollen teurer werden

Die Preise für Tickets im Verkehrsverbund Berlin Brandenburg (VBB) sollen um durchschnittlich 3,4 Prozent steigen.

Die Berliner Politiker haben mit den neuen Tarifen bei BVG und S-Bahn auf den massiven Druck aus Brandenburg reagiert.

Die Berliner Politiker haben mit den neuen Tarifen bei BVG und S-Bahn auf den massiven Druck aus Brandenburg reagiert.

Foto: Jörg Krauthöfer

Berlin. Zuletzt hatte Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) im Juli für ein 365-Euro-Jahresticket geworben. Auch im Klimapaket der Bundesregierung ist die Rede davon, den öffentlichen Nahverkehr preiswerter zu machen. In Berlin geschieht jedoch das Gegenteil: Nach zwei Jahren Nullrunde sollen die Preise für Busse und Bahnen ab dem Fahrplanwechsel im Dezember wieder steigen. Der Aufsichtsrat des VBB wird am Donnerstag die neuen Tarife beschließen.

„Um noch mehr Menschen für den Umstieg auf den umweltfreundlichen ÖPNV zu gewinnen, investieren wir immens in unseren Nahverkehr in den kommenden Jahren“, sagte Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne), die Vorsitzende des Aufsichtsrats der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG). Gute Arbeit müsse finanziert werden, man brauche eine solide Finanzierungsbasis. „Eine moderate Erhöhung der Preise ist daher geplant. Wir stehen zu unserem Versprechen, die Abo-Preise Berlin AB stabil zu halten und unsere Vielfahrer nicht zu belasten“, so Pop.

Tickets bei BVG und S-Bahn - die alten Preise und die geplanten neuen Tarife in der Übersicht

Berlin AB Alter Preis Neuer Preis
Einzelticket 2,80 2,90
Tageskarte 7,00 8,60
Monatskarte 81,00 84,00
Jahresabo (mtl. Abbuchung) 761,00 761,00
Jahresabo (jährl. Abbuchung) 728,00 728,00
Berlin ABC Alter Preis Neuer Preis
Einzelticket 3,40 3,60
Tageskarte 7,70 9,60
Monatskarte 100,50 104,00
Jahresabo (mtl. Abbuchung) 992,00 1008,00
Jahresabo (jährl. Abbuchung) 961,00 978,00

Preiserhöhung bei BVG und S-Bahn: Keine Änderungen für treue Abonnenten in Berlin

Politiker der rot-rot-grünen Koalition bemühten sich, den Schritt zu erklären. Für die treuen Abonnenten in Berlin ändere sich nichts. Zwar werde ein Einzelfahrschein künftig statt 2,80 Euro zehn Cent mehr kosten und auch die Monatskarte (ohne Abonnement) wird um drei Euro teurer und künftig mit 84 Euro veranschlagt. Die zuletzt eingeführten Vergünstigungen, etwa das Schüler-, Azubi- und Jobticket, blieben unverändert, ebenso das Sozialticket, hieß es.

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Der Grünen-Verkehrsexperte Harald Moritz hat seit Monaten mit Senatsverwaltungen, Verkehrsunternehmen, Fahrgastvertretern und anderen Parlamentariern in der AG Tarife an den neuen Preisen getüftelt. Dabei sei die Erkenntnis gereift, dass auch die Berliner Verkehrsbetriebe angesichts der durch den BVG-Tarifvertrag für die 14.500 Mitarbeiter um 100 Millionen Euro pro Jahr gestiegenen Personalkosten eine „moderate Tariferhöhung“ bräuchten. Das 365-Euro-Ticket hätten andere in die Diskussion gebracht, sagte Moritz mit Blick auf SPD-Politiker wie Müller.

Tagesticket kostet künftig 8,60 Euro statt 7 Euro

Moritz betonte, die Preise für Abo-Monatskarten im Berliner Tarifbereich AB blieben konstant. Ebenso die Seniorenkarte „65 plus“. Für Gelegenheitsnutzer werde die Vier-Fahrten-Sammelkarte nach wie vor für neun Euro verkauft.

Deutlich teurer von sieben auf 8,60 Euro wird die AB-Tageskarte, weil man davon ausgehe, dass sie vor allem von Touristen erworben wird. Und die Pendler aus Brandenburg zahlen drauf: Das ABC-Einzelticket kostet 3,60 statt 3,40 Euro, auch die Abonnement-Preise steigen. Bei monatlicher Abbuchung wird das ABC-Jahresticket die Schallmauer von 1000 Euro durchbrechen und statt 992 bald 1008 Euro kosten.

Vekehrsexperten denken weiter über Abgabe für Autofahrer nach

Die Berliner Politiker haben mit den neuen Tarifen auf den massiven Druck aus Brandenburg reagiert. Die dortigen Verkehrsunternehmen hatten zwar vor den Landtagswahlen im vergangenen September noch Verständnis für den Wunsch der Politik, die Preise nicht anzuheben. Aber jetzt wollten sie Geld sehen. Den Bruch mit den Umland-Gemeinden wollten die Berliner vermeiden. Ziel sei, dass ein einheitliches Tarifsystem in der Metropolregion Berlin-Brandenburg auch weiterhin garantiert sei, hieß es am Mittwoch aus dem Hause der Verkehrssenatorin Regine Günther (Grüne).

Die Verkehrsexperten der Koalition bleiben aber bei ihrem Ziel, aus der Systematik regelmäßiger Tariferhöhungen auszusteigen. Stattdessen denken die rot-rot-grünen Fachpolitiker über eine „dritte Säule“ nach, mit der neben den Landeszuschüssen und den Fahrgeldeinnahmen der Nahverkehr finanziert werden könnte. Das könnte eine Nahverkehrsabgabe sein, die auch jeder Autofahrer zahlen müsste. Oder auch ein Nahverkehrs-Zwangsticket für jeden Touristen, wie es die Grünen im August vorgeschlagen hatten.

CDU-Fraktion kritisiert höhere Ticketpreise bei BVG und S-Bahn

Oliver Friederici, verkehrspolitischer Sprecher der Berliner CDU-Fraktion, kritisierte die Preiserhöhung: „Das ist das Gegenteil von dem, was die meisten Berliner erwartet hatten. Dann sollen auch noch die Preise für Pendler im ABC-Tarif steigen. Das ist kein Anreiz, vom Auto auf den Nahverkehr umzusteigen. Es ist auch ungerecht, wenn Abonnenten in Außenbezirken mehr bezahlen sollen als die in der Innenstadt. Das ist ,Abosurdistan‘ in der Tarifpolitik.“