Große Kunstprojekte können Städte verändern und Gesellschaften einen neuen Geist einhauchen. Als Christo 1995 den Reichstag verhüllt hatte, trat Deutschland danach in eine neue Epoche als geeintes Land ein. Zuletzt zeigte die Lichtgrenze zum 25. Jahrestag des Mauerfalls 2014, wie Kunst im Stadtraum Wege nach vorn weisen kann. Ob die Initiatoren des DAU-Projektes eine ähnliche Wirkung im Berlin des Jahres 2018 erzielen können, ist offen.

Die Idee, die klaustrophobe Situation in autoritären Regimen sinnlich erfahr- und erlebbar zu machen, hat aber einigen Charme. Berlin steht international für die Freiheit und dafür, die kommunistische Diktatur überwunden zu haben. Dieses Erbe darf man auch fast 30 Jahre danach immer wieder stolz vertreten.

Der Nachwelt die Mauer und das, wofür sie stand, nahezubringen, stellt sich als Daueraufgabe. Zu diskutieren wäre, ob dafür die Mauer wieder erstehen soll und ob dazu der Boulevard Unter den Linden der passende Ort ist. Wobei klar sein sollte, dass man über Kunst zwar erregt diskutieren, aber lieber nicht demokratisch abstimmen darf. Dass die Touristen es lieben werden, versteht sich von selbst.

Ob man das DAU-Projekt in und um das Kronprinzenpalais unterstützen möchte, lässt sich erst nach Kenntnis der Pläne beurteilen. Geheimniskrämerei mag zum Konzept gehören. Letztlich kann aber gerade die Nicht-Information der Öffentlichkeit die Realisierung verhindern. In einer offenen Gesellschaft kann eben nicht eine kleine Gruppe mit dem Segen der Stadthonoratioren handstreichartig den öffentlichen Raum okkupieren, egal zu welchem Zweck. Also müssen Informationen auf den Tisch, damit die Behörden zeigen können, was in Berlin möglich ist.

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