Defektes Flugzeug

Loch in Air Berlin-Maschine: "Wir hätten tot sein können"

| Lesedauer: 3 Minuten
Martin Niewendick
Diese Fotos schoss Passagier Lamy A. von der Maschine

Diese Fotos schoss Passagier Lamy A. von der Maschine

Foto: privat

Nachdem Fluggäste ein klaffendes Loch in der Außenwand eines Flugzeuges entdeckten, will ein Passagier einen Anwalt einschalten.

Passagiere eines Fluges von Air Berlin haben am Sonntag verhindert, dass die Maschine vom Flughafen Düsseldorf nach Stuttgart startet. Der Grund dafür war ein klaffendes Loch an der Außenwand. Dies wurde allerdings nicht etwa von der Besatzung oder dem Flughafenpersonal entdeckt – sondern von den Passagieren selbst.

Mit an Bord war auch Lamy A. Im Gespräch mit der Morgenpost schildert er, wie er den Vorfall erlebt hat. Als er das Flugzeug betreten habe, sei ihm das Loch in der Außenwand aufgefallen. „Es war so groß, dass meine Hand hineingepasst hätte.“ Zunächst habe er Crew-Mitgliedern ein Foto des Lochs gezeigt. Als keine Reaktion kam, hätten er und andere Passagiere den Kapitän angeschrien, dass er so nicht losfliegen könne. Der Kapitän sei daraufhin herausgekommen und habe den Schaden begutachtet. „Dann ist er nach draußen gerannt. Auf einmal hieß es, der Flug werde gecancelt.“

Passagiere entdecken Loch in Flugzeugwand
Passagiere entdecken Loch in Flugzeugwand

Als die Fluggäste die Maschine verließen, ging der Ärger weiter. Es habe keinerlei Information gegeben, wie es jetzt weitergehe, erzählt A. Nur eine Betreuerin sei ihnen zur Seite gestellt worden, aber die habe sich sehr unkooperativ verhalten. „Nach dem Schock wollte ich einen Schluck Wasser trinken, aber der Automat nahm nur Münzen. Da musste ich andere Passagiere anbetteln.“ Die Betreuerin selbst habe nicht geholfen und gesagt, es gebe hier nichts und man solle sie jetzt nicht ansprechen.

Nun will Lamy A. gemeinsam mit einem Anwalt einen Brief an Air Berlin schicken und eine Erklärung verlangen. Noch auf dem Rückflug sei er total verängstigt gewesen. „Wir hätten alle tot sein können!“, sagt er. Air Berlin bestätigte den Vorfall mehreren Medien.

"Wir sollten Vertrauen haben, sagte man uns"

Auch ein anderer Passagier schildert auf Facebook seine Erlebnisse. „Auf den Hinweis, dass ein Loch in der Außenhaut des Flugzeugs ist, wurde vonseiten des Bodenpersonals entgegnet, dass wir bitte einsteigen und 'Vertrauen' in das Personal haben sollen“, heißt es in dem Post des Mannes auf Facebook. „Wie kann es sein, dass das Bodenpersonal versucht, Passagiere zu überreden in ein beschädigtes Passagierflugzeug einzusteigen?“

Erst auf „massives Drängen“ der Passagiere habe der Kapitän das Flugzeug erneut von außen inspiziert. Der Flug sei daraufhin sofort gecancelt und die Passagiere zurück ins Terminal gebracht worden.

Laut Air Berlin ist es üblich, dass ein Flugzeug von zwei Leuten geprüft wird, bevor es abhebt. Deshalb sei es sehr unwahrscheinlich, dass niemand das Loch vor dem Start entdeckt hätte, berichtete der WDR. „Mein Vertrauen in die Sicherheit im Flugverkehr hat heute erheblich gelitten“, resümiert der Facebook-User. Air Berlin war am Mittwochnachmittag für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Air Berlin kommt nicht aus den Negativ-Schlagzeilen

Die Fluggesellschaft produziert schon seit längerem Negativschlagzeilen. Zuletzt gab es massive Probleme bei der Gepäckausgabe. Die Firma Aeroground ist für die Gepäckabfertigung der Air-Berlin-Flüge in Tegel zuständig. Seit Ende März schafft es die Tochtergesellschaft des Münchner Flughafens nicht, einen stabilen Service in Tegel anzubieten.

"Wir haben leider immer noch Personalengpässe, hoffen aber, diese bald abstellen zu können", erklärte das Unternehmen. Mitte April gab Air Berlin bekannt, wegen der Probleme Flüge in die USA verschieben zu müssen.

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