Antisemitismus

Wie aus Nazi-Hetze Werbung für jüdische Geschäfte wird

Der deutsch-israelische Autor Shahak Shapira hat aus der von Neonazis veröffentlichten Liste jüdischer Einrichtungen eine Werbeaktion gemacht.

Reagiert auf Hass mit Humor: Shahak Shapira

Reagiert auf Hass mit Humor: Shahak Shapira

Foto: Johann Sebastian Hänel

Der Buchautor Shahak Shapira hat mit einer satirischen Aktion auf die von Neonazis verbreitete Karte mit Adressen jüdischer Einrichtungen in Berlin reagiert. Auf seiner Facebook-Seite verbreitete der 28-Jährige am Donnerstagabend eine leicht veränderte Version des antisemitischen Machwerks, das mit „Juden unter uns!“ betitelt ist.

Neben den aufgelisteten jüdischen Gemeinden, Restaurants und anderen Einrichtungen stehen nun Werbeslogans wie „Tinder für Juden“, oder „Geiles Essen“. Seine Follower fordert er auf, die Karte zu teilen.

Neonazis listen jüdische Einrichtungen in Berlin auf

„Da ich stets auf der Suche nach neuen Restaurants und Sehenswürdigkeiten bin, begrüße ich diese Aktion und möchte mich bei den Neonazis für die zahlreichen Tipps bedanken“, schreibt er.

Eine Neonazi-Gruppe aus Neukölln hatte die Grafik anlässlich des Gedenktages an die Reichspogromnacht 1938 am vergangenen Mittwoch auf Facebook veröffentlicht. Darauf verzeichnet sind die Anschrift zahlreicher jüdischer Gemeinden, Synagogen, Kindergärten, Restaurants und anderer Einrichtungen.

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Yorai Feinberg, der Besitzer des Restaurant Feinbergs in Schöneberg, findet Shapiras Aktion gut. Auch sein Restaurant wird auf der Karte genannt. „Es wäre vielleicht besser gewesen, die Adressen vorher zu verpixeln“, sagt er der Berliner Morgenpost. „Aber die meiste Adressen sind sowieso zugänglich.“ Im Übrigen würde die Karte an der Situation der Juden in Deutschland nicht viel ändern. „Ich mache mir generell Sorgen um unsere Zukunft hier."

Auch Shapira verweist darauf, dass die Adressen auf der Nazi-Karte ohnehin leicht im Netz zu finden seien. Juden müssten sich in Deutschland nicht mehr verstecken. Wer eine Liste brauche um zu erkennen, dass das Holocaust-Mahnmal oder eine Synagoge jüdisch sind, der sei „eh‘ zu blöd um eine echte Bedrohung darzustellen“, sagt er der Berliner Morgenpost.

Shahak Shapira: Ein blonder Jude kämpft gegen Klischees

„Für mich wäre die schönste Reaktion, wenn diese Restaurants sich vor Besuchern nun nicht mehr retten können und sich bei den Neonazis für steigende Umsätze und freundlichen Gäste bedanken können.“

Shapira geriet zuletzt wegen einer Radio-Sendung des Senders „KissFM“ in die Schlagzeilen. Im Rahmen der Sendung „Deutschland, dein Land?“ hatten die Moderatoren im vergangenen Monat einen Neonazi-Rapper interviewt, mit dem Shapira diskutieren sollte. „Kiss FM“ sah sich wegen des unkritischen Interviews mit dem Neonazi massiver Kritik ausgesetzt.

Hörer entrüstet über Neonazi-Auftritt bei Radio KissFM

Shahak Shapira wurde 1988 in Israel geboren und kam im Alter von 14 Jahren nach Deutschland. Er ist Autor des Buches „Das wird man ja wohl noch schreiben dürfen! Wie ich der deutscheste Jude der Welt wurde“.