Berlin

Hörer entrüstet über Neonazi-Auftritt bei Radio KissFM

Der jüdische Autor Shahak Shapira übt scharfe Kritik an dem Radio-Sender. Dieser wolle seine Fehler nicht zugeben.

Shahak Shapira

Shahak Shapira

Foto: Johann Sebastian Hänel

Eine Talk-Sendung des Radiosenders KissFM wird von vielen Hörern in den sozialen Netzwerken heftig kritisiert. Am 9. Oktober hatten zwei Moderatoren von KissFM unter dem Motto „Deutschland, dein Land?“ unter anderem mit dem wegen Volksverhetzung verurteilten Neonazi-Rapper Julian Fritsch diskutiert und ihn 30 Minuten lang am Telefon zu Wort kommen lassen. Doch anstatt Fritsch mit seinen rechtsradikalen Texten zu konfrontieren, besprachen die Moderatoren mit ihm banale Alltagsfragen.

Fritsch, der als „MaKss Damage“ auf konspirativ organisierten, rechtsradikalen Konzerten auftritt, machte aus seiner Einstellung keinen Hehl. Er könne damit leben, dass man ihn als Neonazi bezeichne, sagte er in dem Gespräch mit den Moderatoren.

Berliner Sender lädt Nazi-Rapper ein und blamiert sich

Der jüdische Autor Shahak Shapira, der ebenfalls als Interviewpartner für die Sendung „Deutschland, dein Land?“ eingeladen war, sagte der Berliner Morgenpost, dass es für die Moderatoren einfach gewesen wäre, den Rapper anhand seiner Texte „zu zerpflücken.“ Dies sei nicht geschehen.

„Sie wollen einfach keinen Fehler einräumen“

Und nun ignoriere der Sender auch noch die vielen kritischen Kommentare, die es seit Tagen in den sozialen Medien zur Sendung gebe. Auf der KissFM-Homepage gebe es zwar eine Stellungnahme, darin rechtfertige man aber den Auftritt des Neonazi-Rappers damit, dass auch ein jüdischer Gesprächspartner sowie der Imam Ali Özgür Özdil eingeladen worden seien. „Sie wollen einfach keinen Fehler einräumen“, sagte Shapira.

In seiner Stellungnahme bezeichnet KissFM sich als multikultureller und integrativer Jugendradiosender, dem es wichtig sei, harte und emotional aufreibende Themen nicht auszulassen. Zur heftigen Hörer-Kritik heißt es dort: „Wir von 98.8 KissFM werden die ausgesprochene Kritik natürlich annehmen und in unserem Team darüber reden, wie wir in Zukunft mit solchen Themen umgehen werden.“

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