Nazigold

Polen warnt Schatzsucher vor Minen in Nazi-Zug

Der polnischen Stadt Walbrzych wurde der Fund eines Zuges aus dem Zweiten Weltkrieg gemeldet. Jetzt versuchen Goldgräber ihr Glück.

So könnte der angebliche Fund aussehen: Eine Lokomotive der Deutschen Reichsbahn, bei der das Hakenkreuz unter dem Reichsadler ausgekreuzt wurde

So könnte der angebliche Fund aussehen: Eine Lokomotive der Deutschen Reichsbahn, bei der das Hakenkreuz unter dem Reichsadler ausgekreuzt wurde

Foto: David Ebener / dpa

Die polnische Regierung hat Schatzsucher vor möglichen Minen im sagenumwobenen "Nazi-Zug" gewarnt. In dem versteckten Zug, von dessen Existenz er überzeugt sei, könnten sich "gefährliche Stoffe aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs" befinden, erklärte der nationale Denkmalkonservator Pjotr Zuchowski am Donnerstag.

Nach dem Bekanntwerden von Informationen über die Entdeckung des Zuges in der Region von Walbrzych (Waldenburg) in Niederschlesien sei dort eine "verstärkte Aktivität von Schatzsuchern" zu beobachten. Er rufe dazu auf, alle Nachforschungen solange einzustellen, bis der "Fund" offiziell gesichert sei, fügte Zuchowski hinzu.

Am Vortag hatte der Vize-Bürgermeister von Walbrzych, Zygmunt Nowaczyk, offiziell die Existenz des "Nazi-Zugs" bestätigt. Dieser befinde sich auf dem Gelände der Stadt, der genaue Fundort blieb geheim. Ein Deutscher und ein Pole hatten vor einer Woche über einen Anwalt mitteilen lassen, sie hätten Hinweise auf einen 120 bis 150 Meter langen gepanzerten Zug.

Stollen mit dem Codenamen "Riese"

In der Nähe von Walbrzych gibt es eine ganze Reihe unterirdischer Stollen, die die Nazis unter dem Codenamen "Riese" hatten bauen lassen. Geschützt vor Luftangriffen der Alliierten sollten dort ursprünglich Waffen produziert werden. Ein Teil der Stollen ist heute für Touristen offen. Das Tunnelsystem zieht aber auch viele Schatzsucher an.

Die Berichte über den Fund heizten in Polen die Gerüchte um einen Nazi-Zug voller Gold und Schmuck an, der gegen Ende des Zweiten Weltkriegs in der Region verschwunden sein soll. Nowaczyk stellte klar, dass der "Fund" unabhängig von seinem Wert dem polnischen Staat gehöre.

Illegale Grabungen

Scheinbar sind die zwei „Entdecker“ nicht die Einzigen, die sich an dem Fund bereichern wollen. Medienberichten zufolge haben bereits illegale Grabungen begonnen. „Ich habe selbst schon gesehen, dass am Wochenende Leute aus ganz Polen (entlang der vermuteten Strecke des Zuges) graben“, sagte ein Lokalhistoriker am Donnerstag im Rundfunksender „Radio Wroclaw“.

Der Fremdenführer Andrzej Gaik, der in der Vergangenheit selbst nach einem legendären Zug mit Nazigold gesucht hatte, sagte dem Sender, er vermute den Zug entlang der Bahnstrecke zwischen Breslau (Wroclaw) und Walbrzych.

Angesichts der illegalen Grabungen in dem Bergbaugebiet sprechen sich Experten vor allem für eine schnelle Sicherung des Fundortes aus. Bis der geheimnisvolle Zug, über dessen Inhalt bisher nur spekuliert wird, zutage gefördert ist, könnten nach Gaiks Angaben bis zu sechs Monate vergehen.