Die Zeiten, als Donald Trump eine diplomatische Lösung des Krieges gegen den Iran ausschloss, wenn Teheran nicht „bedingungslos kapituliert“, sind vorbei. Nach Worten des US-Präsidenten, der noch vor wenigen Stunden erneut massive Militärangriffe nicht ausschloss, und iranischer Quellen stehen beide Seiten knapp drei Monate nach Kriegsbeginn vor der Unterzeichnung einer „Absichtserklärung“ (memorandum of understanding), die für zunächst 30 Tage die Beendigung des Krieges, die Aufhebung der Seeblockade der Amerikaner, die Wiederöffnung der für den globalen Ölhandel wichtigen und derzeit vom Iran dominierten Straße von Hormus, die Freigabe von eingefrorenem iranischem Vermögen und einen schrittweisen Abzug der US-Streitkräfte aus dem Kriegsgebiet zum Inhalt haben soll.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
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Die Atomfrage, zu Beginn von Trump als Priorität bezeichnet, soll auf Drängen Teherans zunächst ausgeklammert und auf einem zweiten Gleis binnen 60 Tagen behandelt werden. Offizielles, Unterschriebenes gibt es bisher nicht. Die wichtigsten Fragen und Antworten auf einen Blick:
Iran-Krieg: In welchem Rahmen entstand die neue Dynamik?
Trump suchte am Samstag in einer Telefonkonferenz den Kontakt zu mehreren arabischen und muslimischen Staatschefs, darunter Saudi-Arabien, Katar, Ägypten, die Türkei, Pakistan und die Vereinigten Arabischen Emirate. Dabei wurden die Grundzüge eines Waffenstillstandsabkommens diskutiert. Tenor: Der US-Präsident wurde nach Informationen aus Regierungskreisen unisono aufgefordert, den Deal einzugehen und auf eine erneute Militäraktion zu verzichten. Begründung: Eine Eskalation werde eine massive iranische Vergeltung in der Region zur Folge haben. Vorher hatte der Präsident seinen Vize JD Vance und Verteidigungsminister Pete Hegseth zu eiligen Unterredungen ins Weiße Haus beordert.
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Wie wahrscheinlich ist eine tragfähige Einigung?
Bei einem Abkommen, das noch nicht verkündet wurde und dessen Inhalte nicht von beiden Parteien unabhängig voneinander bestätigt sind, fällt die Bewertung erwartungsgemäß schwer. Trump hatte in der Vergangenheit mehrfach „Durchbruch“ signalisiert, den der Iran umgehend dementierte. Bis Sonntag waren wichtige Aspekte unverändert unklar: Ist die von Trump behauptete Wiederaufnahme des Handels in der Seestraße von Hormus auf Dauer angelegt, oder verlangt der Iran abseits einer vorübergehenden Aussetzung der Mautgebühren für durchfahrende Tanker und Frachtschiffe, langfristig die Oberhoheit über die Gewässer?
Beenden die USA ihre Seeblockade gegen Schiffe, die iranische Häfen anlaufen oder von dort auslaufen, endgültig? Unter welchen Voraussetzungen werden die USA einen Teil der eingefrorenen iranischen Gelder in Höhe von rund 25 Milliarden Dollar „auftauen“, worauf Teheran besteht? In welchem Zeitraum übergibt der Iran 400 kg fast atomwaffenfähiges Uran (oder verdünnt es so, dass es für den Bau einer Nuklearwaffe nicht mehr genutzt werden kann)? Wie lange legt der Iran die Anreicherung von Uran auf Eis und welchen Kontrollmechanismen unterzieht sich das Land? Was wird aus dem Arsenal ballistischer Raketen, von dem sich Israel zu Recht bedroht fühlt, und was aus der Achse Iran-Hisbollah? Belastbare Antworten stehen noch aus.
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Was kann noch schiefgehen?
Selbst wenn in den kommenden Stunden oder Tagen eine von beiden Seiten bestätigte Absichtserklärung verkündet wird, „wäre der Konflikt damit nicht gelöst”, sagen Experten in Washingtoner Regierungskreisen. Das Papier wäre nur ein erster Rahmen. Die entscheidenden Streitpunkte – das Atomprogramm, die Wirtschaftssanktionen und die Zukunft der Straße von Hormus – würden in einen bis 60 Tage langen Folgeprozess verschoben.
Hier beginnen erst die eigentlichen Verhandlungen. Genau dabei sind frühere Abkommen oft gescheitert, wie die Waffenstillstände im Libanon und in Gaza zeigen. Hinzu kommt Teherans tiefes Misstrauen. Iran fürchtet, dass Trump erneut mitten in laufenden Gesprächen Luftangriffe anordnen könnte, wie er das bereits zwei Mal getan hat. Deshalb dringt Teheran auf eine schrittweise Umsetzung, überprüfbare Zusagen und keinen vorschnellen militärischen Rückzug. Die iranischen Streitkräfte bleiben in Alarmbereitschaft.
Über allem stehen die schwer oder kaum zu vereinbarenden Interessen aller Beteiligten. Der Iran benötigt ökonomisch eine Aufhebung der Sanktionen, Zugang zu seinen blockierten Vermögenswerten und ein dauerhaftes Ende der israelisch-amerikanischen Militäraktion. Die USA wollen zur Linderung der massiv gestiegenen Benzinpreise die Wiederöffnung der Straße von Hormus, eine klare Einhegung des iranischen Atomprogramms und eine allgemeine Deeskalation im Mittleren Osten. Israel fordert die Entwaffnung der terroristischen Hisbollah. Der Libanon verlangt den Rückzug Israels und die Behandlung der Hisbollah als internes Problem. Wie das alles zusammengehen soll, ist bisher nicht erkennbar.
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Ist ein Wiederaufflammen der Kampfhandlungen endgültig vom Tisch?
Endgültig ist bei Trump gar nichts. Aber es spricht nicht viel dafür, dass erneut massiv Bomben abgeworfen werden. Trump hat kein Mandat, Bodentruppen zu entsenden; etwa, um die iranische Öl-Industrie massiv zu schwächen. Eine Ausweitung des Krieges bald drei Monate nach Beginn würde angesichts der bisherigen Bilanz im Kongress in Washington auf breiten Widerstand treffen. Die Munitionsdepots der Amerikaner sind dramatisch erschöpft, auch wenn das Pentagon das bestreitet. Trumps Zustimmungswerte in der Bevölkerung sind verheerend, seine Kriegsführung wird mehrheitlich abgelehnt.
Wie reagiert Trumps Partei – die Republikaner?
Etliche Top-Konservative, die den Krieg befürworten, sind entsetzt. Senator Roger Wicker: „Der gemunkelte 60-tägige Waffenstillstand – in der Annahme, der Iran würde jemals in gutem Glauben verhandeln – wäre eine Katastrophe. Alles, was durch die Operation „Epic Fury“ erreicht wurde, wäre umsonst gewesen!”
Sein texanischer Kollege Ted Cruz holt weiter aus: „Präsident Trumps Entscheidung, den Iran anzugreifen, war die folgenreichste Entscheidung seiner zweiten Amtszeit. Er hat damit richtig gehandelt, und wir haben außergewöhnliche militärische Erfolge erzielt – darunter die Zerstörung all ihrer Raketen und Drohnen sowie die Versenkung ihrer gesamten Marine. Wenn das Ergebnis all dessen ein iranisches Regime sein soll – das nach wie vor von Islamisten geführt wird, die ‚Tod für Amerika‘ skandieren –, das nun Milliarden von Dollar erhält, in der Lage ist, Uran anzureichern und Atomwaffen zu entwickeln, und die effektive Kontrolle über die Straße von Hormus ausübt, dann wäre dieses Ergebnis ein katastrophaler Fehler. Präsident Trump glaubt an Frieden durch Stärke, und seine starke Führung hat Amerika bereits viel sicherer gemacht. Er sollte weiterhin an seiner Linie festhalten, Amerika verteidigen und die roten Linien durchsetzen, die er wiederholt gezogen hat.”
I am deeply concerned about what we are hearing about an Iran “deal,” being pushed by some voices in the administration.
— Ted Cruz (@tedcruz) 24. Mai 2026
President Trump’s decision to strike Iran was the most consequential decision of his second term. He was right to do so, and we achieved extraordinary…
Mike Pompeo, Trumps Außenminister aus der ersten Amtszeit, giftet am heftigsten: Was mit dem Iran diskutiert werde, scheine „direkt aus dem Drehbuch” von Wendy Sherman, Robert Malley und Ben Rhodes zu stammen (demokratische Verhandler aus der Zeit des Obama-Iran-Abkommens von 2015). „Bezahle die Revolutionsgarden dafür, ein Programm für Massenvernichtungswaffen aufzubauen und die Welt zu terrorisieren.” Pompeos Rezept: „Es ist ganz einfach: Öffnet die verdammte Meerenge. Verwehrt dem Iran den Zugang zu Geld. Schaltet genügend iranische Kapazitäten aus, damit er unsere Verbündeten in der Region nicht bedrohen kann. Das ist längst überfällig. Los geht’s.“
- Teil 1: „Niemand stellt sich den echten Krieg vor – bis zur ersten Bombe“
- Teil 2: „Im Moment kann ich nur träumen von den Tagen ohne Angst“
- Teil 3: „Es wirkt, als sei die ganze Stadt in Schwarz gehüllt“
- Teil 4: „Ich denke an den Alltag und die kleinen Schönheiten“
- Teil 5: „Hier stirbt man nicht nur durch den Einschlag einer Granate“
Was sagen die Kritiker eines Deals mit dem Iran?
Ihr Argument geht im Kern so: Sollte Trump den Waffenstillstand um 60 Tage verlängern, um mit dem Iran in mutmaßlich langwierige Detailverhandlungen über die Zukunft des Atomprogramms einzutreten, würde der Konflikt bis August weiterköcheln, was wenige Wochen vor den Zwischenwahlen im Kongress größere Militäroperationen de facto ausschließe. Sobald der US-militärische Druck nachlässt, werde Teheran keinen Zwang zu substanziellen nuklearen Zugeständnissen verspüren.
Durch Sanktionserleichterungen in Milliardenhöhe könne Iran sich und seine Verbündeten (Hisbollah im Libanon) dagegen ertüchtigen und gleichzeitig die Straße von Hormus langfristig punktuell als Erpressungsmittel einsetzen. „Teheran würde am Verhandlungstisch gewinnen, was es auf dem Schlachtfeld verloren hat”, sagt ein Iran-Experte in Washington.
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Wer wären die Verlierer nach heutigem Stand?
Für Israels Premierminister Benjamin Netanjahu wäre ein Abkommen zwischen Teheran und Washington die wohl größte politische wie persönliche Niederlage. Netanjahu wollte das Mullah-Regime militärisch auslöschen und einen grundsätzlichen Wandel erzwingen. Weder hat sich Teheran bis heute unterworfen, noch ist das Regime instabil geworden. Im Gegenteil. Der Iran ist seit Ende Februar trotz unbestreitbarer taktischer und operativer Erfolge der USA-Israel-Allianz radikaler und widerstandsfähiger als zuvor; so sehr, dass Trump eine Fortsetzung der Angriffe scheut.
Netanjahus Mantra, dass nur Druck, Abschreckung und Gewalt (maßgeblich praktiziert durch die USA) vor dem Iran schützen, gilt als gescheitert. Der andere große Verlierer wäre das iranische Volk. Zu Beginn des Krieges hatte Trump den 90 Millionen Iranern das Ende der Unterdrückung durch das Mullah-Regime in Aussicht gestellt. Davon ist schon lange nicht mehr die Rede. Die Machtzentren in Teheran sind intakt, Dissidenten werden weiter verfolgt und getötet. In ihrem Streben nach Freiheit von der Tyrannei hätten die Iraner in den USA mit diesem Abkommen keinen Partner mehr.










