Kolumne

BER, Wohnungsbau, Tegel: Es ist die Zeit der Wunder

Ob beim Wohnungsbau, beim Flughafen Tegel oder beim BER – vor Ostern ereignen sich noch überraschende Dinge.

Der Flughafen BER

Der Flughafen BER

Foto: dpa, BM

Es geschehen noch Zeichen und Wunder im Senat. Kurz vor Ostern gab es in Berlin eine wundersame Wohnungsvermehrung. Allerdings mit mehreren Haken.

So präsentierte die Stadtentwicklungsverwaltung des Senats stolz neue Planungen für das Stadtquartier, das nach der Schließung des Flughafens Tegel entstehen soll. Europaweit konnten sich Landschaftsplaner an dem Wettbewerb beteiligen. Das Berliner Büro GM013 Giencke Mattelig Landschaftsarchitektur gehörte zu den Gewinnern. Neben Spiel- und Sportflächen soll auf der heutigen Start- und Landebahn ein Café als „Flugdeck“, ein großer Spielplatz mit dem Namen „Flugstunde“ sowie ein Aussichtsturm entstehen. Dazu kommen Sonnenliegen. Das Berliner Büro Weidinger, das ebenfalls prämiert wurde, will den heutigen Flugplatz zu einer Heide umbauen. Die nördliche Landebahn bleibt als „Bewegungsfläche“ erhalten. Zudem ist unter anderem ein Wasserspielplatz geplant. Senatsbaudirektorin Regula Lüscher war voll des Lobes. Beide Preisträger hätten ausgezeichnete Konzepte. Allerdings gibt es noch keine Entscheidung, weil alles noch mal überprüft wird. Typisch Berlin, möchte man meinen. Erst ein Wettbewerb, dann keine Entscheidung.

Nichtsdestotrotz treibt die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung die Planungen für die Entwicklung von Tegel voran – und überraschte mit einer Zahl. Denn unten auf der Seite der Pressemitteilung zu den Landschaftspreisen wurde mitgeteilt, dass man im östlichen Bereich einen neuen Stadtteil plane mit bis zu 6000 Wohnungen. 6000? Bisher war immer von 5000 Wohnungen die Rede.

Aber in der Wohnungsnot-Stadt Berlin macht es sich natürlich gut, mehr Wohnungen zu planen. Man habe die bisherigen Überlegungen überarbeitet und verdichtet. So seien bis zu 1000 Wohnungen mehr möglich.

Stadtentwicklungssenatorin Katrin Lompscher (Linke) gilt ja gemeinhin nicht als Bausenatorin. Denn die Ziele des Wohnungsneubaus verfehlt Berlin regelmäßig. Also konzentriert man sich in der Verwaltung eben auf neue Pläne. Das ist einfacher. Denn Papier ist geduldig. Aber auch diese Planungen müssen noch überarbeitet und konkretisiert werden. Noch ist nichts sicher.

Da passt auch die Nachricht des ARD-Magazins „Report München“ von möglicherweise kontaminierten Flächen auf dem militärischen Teil des Flughafens dazu. Dabei geht es um einen Löschschaum, den die Feuerwehren eingesetzt haben. Darin waren per- und polyfluorierte Chemikalien, kurz PFC, enthalten. Einige dieser Stoffe stehen im Verdacht, Krebs zu erzeugen. Das Magazin berichtete, dass an 18 Bundeswehrstandorten eine Verseuchung des Bodens und teilweise des Grundwassers mit PFC nachgewiesen ist. 108 weitere Verdachtsfälle gibt es – darunter auch der militärische Teil des Flughafens Tegel. Möglicherweise gibt es auch hier einen kostspieligen und zeitaufwendigen Sanierungsbedarf.

Aber steigende Kosten und mehr Zeit – das ist man in Berlin ja gewohnt.

Da Ostern vor der Tür steht, kommen wir noch einmal auf das Thema Wunder: Für den BER war es DIE Nachricht der Woche. Die Entrauchungsanlage ist vom Tüv abgenommen und genehmigt worden. Sie erinnern sich? Die Entrauchungsanlage galt lange Zeit als unsteuerbares Monster, das der Eröffnung des Flughafens im Weg stand. Nun also die frohe Kunde, der BER ist einen großen Schritt weitergekommen. Aber ob das reicht? Der FDP-Fraktionsvorsitzende Sebastian Czaja hat da seine Zweifel – und er ist da beileibe nicht der Einzige.

Da sind ja noch die teuflischen Dübel. Aus Plastik und in Brandenburg im Gegensatz zu anderen Bundesländern nicht brandsicher, zumindest laut gültigen Brandschutzbestimmungen. Nun ja.

Wir hoffen auf ein Wunder, frohe Ostern!