Als Gesundheitssenatorin Dilek Kolat (SPD) Ende vergangenen Jahres einen runden Tisch zur Verbesserung der Geburtshilfe in Berlin einberief, war die Skepsis groß. Der Spruch „Wenn ich nicht mehr weiterweiß, gründ’ ich einen Arbeitskreis“ wurde laut. Nun aber hat der runde Tisch ein Aktionsprogramm beschlossen, von dem sich zumindest sagen lässt, dass ein Anfang gemacht ist. Das Gremium, an dem die wichtigsten Akteure der Versorgung rund um Schwangerschaft und Entbindung teilnehmen, ist offensichtlich ernsthaft bestrebt, die Probleme in der Geburtshilfe anzugehen. Und die sind erheblich. Schwangere telefonieren oder mailen sich die Finger wund, um eine Hebamme zu finden. Auch die Kapazitäten der Kreißsäle in den 19 Berliner Geburtskliniken reichen, zumindest in Spitzenzeiten, nicht aus.
Nun sollen mehr Hebammen ausgebildet und Kreißsäle gebaut oder erweitert werden. Das geht über Absichtserklärungen hinaus und ist mit konkreten Zielsetzungen unterlegt. Mindestens ebenso wichtig aber ist, dass die Geburtskliniken die Selbstverpflichtung eingehen, zusammenzuarbeiten und jenseits von Partikularinteressen die Verantwortung annehmen, die bestmögliche Versorgung von Mutter und Kind vor, während und nach der Geburt sicherzustellen. Die Arbeitsbedingungen für Hebammen müssen verbessert werden, das ist erkannt. Und neben dem runden Tisch werden die Abgeordneten ein Auge darauf haben, ob das Aktionsprogramm tatsächlich umgesetzt wird.
Zur Wahrheit gehört aber auch, dass die Bundespolitik ihren Beitrag leisten muss. Zur guten Versorgung von Mutter und Kind gehören Zuwendung und Nähe. Sie erfordert Zeit. Solche Krankenhausleistungen werden aber über das bundesdeutsche Vergütungssystem nur sehr unzureichend abgebildet. Auch eine Mindestbesetzung von Hebammen in Geburtskliniken muss bundesrechtlich festgelegt werden. Höchste Zeit, dass sich auch im Bund etwas tut.


