Der Mechanismus ist einfach: Man schaut auf das Angebot und sagt sich, dieses oder jenes würde einen interessieren. Wenn das passiert, ist es gut fürs Geschäft. Das läuft im Supermarkt ähnlich wie im Theater. Der neue Volksbühnen-Intendant Chris Dercon hat am Dienstag seine künstlerische Ware ins Schaufenster gelegt. Seine erste Spielzeit-Vorschau war lange erwartet worden, denn schon mit seiner Berufung hatten leidenschaftliche Debatten darüber begonnen, ob ein international versierter Museumschef wie Dercon überhaupt die richtige Ware für ein Berliner Traditionstheater ordern kann? Die Frage muss man jetzt leider mit Nein beantworten.

Es gehört auch zum Geschäft, dass die Ware angemessen angepriesen werden muss, im Theater am besten mit viel Sinnlichkeit, Selbstbewusstsein und möglichst schillernden Namen, denen man alles abkauft. Dercon und sein Team auf der Bühne im Flughafenrestaurant in Tempelhof wirken bei der Präsentation leider eher schüchtern bis defensiv. Man möchte ihnen das Programm nicht aus der Hand reißen.

Zweifellos hat Dercon in den letzten Monaten viel Gegenwind erfahren. Der neue Kultursenator Klaus Lederer (Linke) hat ihm öffentlich die Rückendeckung verweigert und nur eine vertragliche Duldung bescheinigt. Und die alten Volksbühnen-Mitstreiter um Intendant Frank Castorf haben Dercon das Leben zusätzlich schwer gemacht.

Das muss jetzt das Programm ausbaden. Es sind viele große Premieren angekündigt, die sich mit Tanz, Performance, Theater oder Film auseinandersetzen. Aber das Programm bleibt vor allem viel Papier. Dercon ist einer, der alle zusammenbringen kann, aber keiner, der sagt, wo es lang geht. Die alte Volksbühne ist im Sommer tot, die neue Volksbühne erweist sich im Flughafen Tempelhof als ein Gebilde im Schwebezustand. Es ist keine sichere Landung vorauszusagen.

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