Nun ist eingetroffen, was Theaterfreunde seit mehr als zehn Jahren befürchtet haben. Die traditionsreichen Kudamm-Bühnen müssen das Kudamm-Karree räumen. So lautet das Urteil des Gerichts, das der Räumungsklage des Investors recht gegeben hat. Ob eine Berufung, wie sie Theaterdirektor Martin Woelffer angekündigt hat, Erfolg haben wird, ist fraglich. Schuld an der verfahrenen Situation sind aber nicht die Investoren. Schuld ist das kurzsichtige Handeln des Senats – und des Theaterchefs.

Zur Erinnerung: Es war der damalige Senat, der den Gebäudekomplex vor 26 Jahren verscherbelte und sich später auch noch die Nutzungsbindung für die Theater abkaufen ließ. Erst dadurch wurde die Möglichkeit eröffnet, die Bühnen vor die Tür zu setzen. Zudem versagte der Senat den Theatern die finanzielle Unterstützung, die vergleichbaren Privatbühnen gewährt wird. Diese haben nun drei Jahre lang weder Miete noch Betriebskosten gezahlt, ein Umstand, der selbst den wohlwollendsten Vermieter vergrätzt.

Einen Teil der Schuld trägt der Theaterdirektor auch selbst. Denn obwohl die Einnahmen nicht auskömmlich sind, beharrt Woelffer auf dem weiteren Betrieb zu ebener Erde und diffamiert den im Sanierungsplan des Investors vorgesehenen Ersatzstandort als lichtloses Kellertheater. Etwas Realismus wäre angezeigt: Naturbelichtung gibt es auch bei den technisch maroden Bestandsbühnen nicht. Und von einem repräsentativen Eingang kann ebenfalls keine Rede sein.

Nüchtern betrachtet bietet der Entwurf des Architekturbüros Kleihues langfristig die Chance, einen wirtschaftlich funktionierenden Theaterbetrieb am Kurfürstendamm zu erhalten. Die Rettung kann nur gelingen, wenn ein Kompromiss gefunden wird, der die Interessen des Investors und die Leistungsfähigkeit des Betreibers berücksichtigt. Falls es dazu nicht schon zu spät ist.