Frank Walter Steinmeier gilt eigentlich als ein besonnener Chefdiplomat. So seriös, dass manche ihn schon als Nachfolger Joachim Gaucks handeln. Und nun das: Er wirft dem westlichen Bündnis „Säbelrasseln“ und „Kriegsgeheul“ vor, weil die Nato mit der Stationierung von vier Bataillonen (rund 4000 Soldaten) auf die Sorge ihrer östlichen Mitglieder vor Russlands aggressiver Nachbarschaftspolitik reagiert.

Dabei weiß auch Steinmeier um die von Putin geschaffenen Realitäten: völkerrechtswidrige Annexion der Krim, Kriegstreiberei in der Ukraine, militärische Präsenz in Divisionsstärken an den Grenzen zu den baltischen Nato-Verbündeten, vermehrte Überprüfungen militärischer Gefechtsbereitschaft der russischen Truppen. Wer rasselt denn hier mit dem Säbel? Und wer stellt gut nachbarschaftliche, zumindest respektvolle Beziehungen infrage? Bis zur Krim-Krise war die Nato an ihrer östlichen Flanke allenfalls marginal präsent.

Und wenn Steinmeier dann noch behauptet, die Nato habe Austausch und Dialog mit Moskau „völlig vergessen“, redet er wider besseres Wissen. Im April tagte erstmals seit der Krim-Annexion der Nato-Russland-Rat wieder. Er gilt als das wichtigste Dialogforum zwischen dem Westen und Moskau.

Des deutschen Außenministers Kotau vor Putin gilt in Wirklichkeit wohl mehr der Linkspartei. Jetzt, da SPD-Chef Gabriel im „Spiegel“ für Bündnisbereitschaft auch mit den heimischen Putin-Verstehern plädiert, gibt ihm Steinmeier außenpolitischen Flankenschutz. Dass selbst er Parteitaktik vor Verlässlichkeit stellt, weckt alte Sorgen im In- und Ausland vor einem deutschen Sonderweg. Spätestens seit dem Nato-Doppelbeschluss sollte die SPD doch begriffen haben, dass sich Appeasement-Politik gegenüber Moskau nicht auszahlt.