Es waren nur vier Monate, damals im Spätsommer des Jahres 2001, als die Grünen in Berlin mitregiert haben. Als kleiner Koalitionspartner der SPD saß die Partei im Übergangssenat des frisch gewählten Regierenden Bürgermeisters Klaus Wowereit.

Bei den drei folgenden Wahlen fingen sich die Grünen von eben diesem Klaus Wowereit drei Backpfeifen ein. Obwohl sowohl bei der SPD als auch bei den Grünen eine gewisse Sehnsucht nach einer gemeinsamen Koalition besteht, entschied sich Machtmensch Wowereit jeweils für einen anderen Partner. Diese Wunden schneiden tief in das Selbstvertrauen der Grünen. Was auch immer sie angestellt hatten in den vergangenen anderthalb Jahrzehnten – jedes Mal wurden sie fast schon gedemütigt wieder nach Hause geschickt.

Kein Siegegeheul von den Grünen

Deswegen versuchen sie es in diesem Jahr mit Demut. In den Umfragen liegen die Grünen derzeit mit 19 Prozent sogar vor den Christdemokraten. Aber Siegesgeheul kommt derzeit keinem über die Lippen. Auch bei den leidigen Diskussionen über mögliche Regierungskonstellationen verdrehen die Spitzenpolitiker die Augen. Es gebe eine klare Präferenz für Rot-Grün, aber man wolle auch nichts ausschließen, heißt es.

Sollte es am 18. September zu einem Ergebnis kommen, das eine grüne Regierungsbeteiligung ermöglicht, dann steht den Grünen die größte Bewährungsprobe noch bevor. Denn das Scheitern der Koalitionsverhandlungen nach den drei vergangenen Wahlen lag auch am eigenen Unvermögen. Selbstüberschätzung und der notorische Ruf nach „Verhandlungen auf Augenhöhe“ machten sie zu einem nervigen Verhandlungspartner. Zu zeigen, dass sie auch aus diesen Fehlern gelernt haben, macht sie erst regierungsfähig. Zumal ein wahrscheinliches Dreierbündnis die Verhandlungen noch komplizierter macht.