Bei gefühlt jedem zweiten öffentlichen Auftritt betont Stadtentwicklungssenator Andreas Geisel (SPD), wie wichtig der Erhalt der „Berliner Mischung“ für das gedeihliche Zusammenleben in der Stadt sei – und wie sehr uns andere Hauptstädte auf der ganzen Welt darum beneideten. Die Berliner Mischung steht dabei für das Ideal von einem Kiez, in dem alle Einkommensgruppen mit Wohnraum versorgt werden können.

Schon einmal war dieses Ideal in akuter Gefahr: Ende der 70er-Jahre und beschleunigt durch den Fall der Mauer in den 90er-Jahren entwickelten sich viele der nach dem Krieg errichteten Neubausiedlungen zu Problemvierteln, aus denen die einkommensstärkeren Bewohner wegzogen. Um einer Gettobildung vorzubeugen, mussten Milliardenbeträge in Sanierungsprogramme und Quartiersmanagement investiert werden.

Angesichts des rasanten Bevölkerungswachstums und der damit einhergehenden Wohnungsknappheit steht die Berliner Mischung nun erneut unter Druck. Die mittlerweile sanierten Altbaukieze sind bei Kapitalanlegern und Mietern gleichermaßen begehrt. Einkommensschwächere sind wieder auf das Angebot der landeseigenen Wohnungsbaugesellschaften angewiesen. 60.000 Wohnungen sollen diese in den kommenden zehn Jahren neu bauen, hat Senator Geisel deshalb angekündigt.

Den schlechten Erfahrungen zum Trotz setzt Berlin dabei wieder auf den massenhaften Wohnungsbau. Doch immer wieder versichert der Senator auf Bürgerversammlungen, dass dabei keine Problemviertel entstünden, dass man sehr auf die soziale Mischung achte. Zur Untermauerung führt Geisel die Mietpreisgestaltung in den Neubauten an. Ein Drittel der Wohnungen soll demnach mietpreisgebunden für durchschnittlich 6,50 Euro an einkommensschwache Haushalte vergeben werden. In zwei Bauvorhaben der Degewo werden nun jedoch Gebäude errichtet, in denen 100 Prozent Sozialwohnungen entstehen. Angesichts der Wohnungsnot gerade von Menschen mit geringen Einkommen ist das zwar verständlich, aber der falsche Weg. Wenn diese Projekte Schule machen, bleibt die Berliner Mischung auf der Strecke.