Zur Abwechslung sind es mal nicht die üblichen Verdächtigen. Die aus Russland, China oder Kenia. Diesmal kommen die schlechten Nachrichten für die Jünger der Theorie, dass im Sport doch noch Ehrlichkeit vorherrsche, ausgerechnet aus der Heimat des Fairplay, aus England. Das ist jetzt auch keine riesige Überraschung, macht es gefühlt aber eher schlimmer.
Ein Londoner Arzt prahlt damit, insgesamt mehr als 150 Fußballprofis, Cricket- und Tennisspieler sowie Tour-de-France-Teilnehmer und Boxer mit unerlaubten Mitteln versorgt zu haben. Nach Korruption im Weltfußball, immer neuen Fällen von Wettbetrug und weiteren Skandalen folgt womöglich die nächste Metastase im größten Krebsgeschwür des Sports, dem Doping.
Natürlich kommen auch sofort die üblichen Reflexe der betroffenen Fußballklubs. Alles sei erlogen, es gäbe keine Beweise, hieß es. Fehlt nur noch der Hinweis, den die Kicker früher ernsthaft in die Diskussion warfen, dass Doping in ihrem Sport sowieso nichts bringe. Wäre es nicht besser, die Vorwürfe zu prüfen, auch wenn das die Gefahr beinhaltet, etwas Unangenehmes dabei zu entdecken? Jedenfalls wäre es überzeugender. Vielleicht ist der Arzt ja auch ein Märchenerzähler, aber das würde sich bald herausstellen. Die ermittelnden Journalisten haben allerdings seit ihren vorangegangenen Recherchen im Fall der verseuchten russischen Leichtathletik den Ruf, ganze Arbeit zu leisten.
Oder verfällt der Sport nur einmal mehr in sein altes Verhaltensmuster: nichts sehen, nichts hören, nichts sagen? Augen zu und durch? Dabei scheint Skepsis in Großbritannien doch durchaus angebracht, wo bei den Olympischen Spielen 2012 ein verblüffender Medaillenregen gelang. Die Athleten von der Insel gewannen dort fünf Mal häufiger Gold als die russischen.
Abwiegeln und Vertuschen waren gestern, heute bestehen gerade deshalb immer mehr Zweifel am Spitzensport. Wer das ändern will, muss sich ein bisschen mehr einfallen lassen, als dem Überbringer der schlechten Nachrichten die Schuld am siechenden Ansehen des Sports zu geben.


