Chronologie

Der 1. Mai in Berlin - zum Nachlesen im Liveblog

Die Revolutionäre 1.-Mai-Demo ist am Abend doch über das Myfest gezogen. Am Lausitzer Platz kam es zu Ausschreitungen. Der Liveblog.

Foto: Reto Klar

Der 1. Mai in Berlin war ein überwiegend friedlicher Feiertag. Nach dem Ende der „Revolutionären 1. Mai Demonstration“ kam es zwar am Sonntagabend zu Gewaltausbrüchen, doch die Polizei beendete die Attacken rasch. Mehrere Störer wurden festgenommen. Einige Menschen wurden verletzt, darunter auch mindestens drei Polizisten.

Zumeist schwarz gekleidete Teilnehmer attackierten die Einsatzkräfte mit Steinen und Flaschen. Auch betrunkene Touristen sollen unter den Angreifern gewesen sein.

Die Beamten stürmten in die Menge und griffen Randalierer heraus. Schaulustige fotografierten die Szenerie. Sanitäter behandelten Verletzte mit blutenden Wunden.

Polizeisprecher Stefan Redlich zeigte sich am Abend dennoch mit dem Verlauf zufrieden. Es habe keine Randale während der großen Demonstration gegeben. Jahrelang sei Berlin am 1. Mai das Synonym für Gewalt gewesen - gemessen daran sei die Bilanz positiv.

Berlins Innensenator Frank Henkel (CDU) lobte das Vorgehen der Polizei bei der sogenannten Revolutionären 1. Mai-Demonstration in Kreuzberg und die erneute Gewalt verurteilt. „Kein Verständnis habe ich für das Verhalten einzelner Gewalttäter nach Ende der Demo“, erklärte Henkel am Sonntagabend. Die Polizei sei entschlossen eingeschritten und habe die Lage schnell wieder beruhigt, sagte der Innensenator.

Der Aufzug unter dem Motto „Grenzenloser Widerstand – gegen Krieg und Kapital“ war nach einer verkürzten Route am Lausitzer Platz zu Ende gegangen. Die Polizei sprach von etwa 13 000 Teilnehmern, die Veranstalter von 20 000. Im Vorjahr hatten sich etwa 18 000 Menschen an dem Zug beteiligt.

Die Demonstranten zogen trotz Verbots durch das "Myfest"

Die Demonstranten waren am Abend des 1. Mai durch Kreuzberg gezogen. Schwarz gekleidete Demonstranten liefen illegal durch das „Myfest“ auf dem Oranienplatz. Die Polizei hatte eine Demonstration durch das Straßenfest aus Sicherheitsgründen untersagt. Viele der Teilnehmer waren vermummt. Bengalische Feuer wurden gezündet und Sprechchöre wie „Nie wieder Deutschland“ gerufen. Laut Polizei beteiligten sich mehrere Tausend an der Spontan-Demo. Die Beamten griffen nicht ein.

Nach der kurzzeitigen Aktion liefen die Demonstranten zum Moritzplatz, wo die sogenannte Revolutionäre 1.-Mai-Demonstration startete. Die Polizei flankierte den Zug. Gerufen wurden Parolen gegen Rassismus und Kapitalismus. Vor allem junge Leute beteiligten sich an dem Protest. Die Polizei sprach per Twitter von einer unübersichtlichen Lage. Polizeisprecher Stefan Redlich bezeichnete die Situation aber bislang als störungsfrei. Es gab aber einzelne Flaschenwürfe. Die Demo-Route wurde in Absprache Zwischen Polizei und Versammlungsleiter abgekürzt. Sie ging nur noch bis zum Lausitzer Platz.

Die Demonstranten waren vor Gericht mit ihrer Forderung gescheitert, durch das „Myfest“ zu ziehen. Von der „Revolutionären 1.-Mai Demonstration“ war immer wieder Gewalt ausgegangen, die aber in den Vorjahren abnahm.

Wasserwerfer standen in der Nähe des Moritzplatzes. Die Spezialfahrzeuge wurden auch in zurückliegenden Jahren aufgefahren, allerdings nicht eingesetzt. Rund um den 1. Mai waren in Berlin etwa 6200 Polizisten im Einsatz, allerdings nicht nur in Kreuzberg.

Zehntausende Menschen feierten friedlich

Zehntausende Berliner waren am Sonntag bei Frühlingssonne zum „Myfest“ in Kreuzberg gekommen. Auf den Straßen und Plätzen waren viele Familien unterwegs. Beobachter sprachen von Sommerfestatmosphäre.

Wegen des großen Zustroms an Besuchern hatte die Berliner Polizei begonnen, erste Zugänge zum „Myfest“ in Kreuzberg zu sperren. Die Auslastung des Versammlungsgeländes liege bei bis zu 100 Prozent, sagte ein Sprecher am Sonntagnachmittag. Die absolute Zahl an Besuchern könne nicht beziffert werden, es seien aber mehrere Zehntausend.

Welche Zugänge gesperrt wurden, konnte der Sprecher nicht sagen. Die U-Bahnen hielten nicht mehr an den Bahnhöfen Kottbusser Tor und Görlitzer Park, wie die BVG per Twitter mitteilte. Die Polizei hatte im Vorfeld angekündigt, eine Überfüllung des „Myfests“ wie im vergangenen Jahr möglichst verhindern wollen.


In diesem Jahr wurde das „Myfest“ anders als in den Vorjahren als politische Versammlung angemeldet, daher ist die Polizei für die Sicherheit zuständig. Glasflaschen durften nicht mitgebracht werden, die Polizei wollte eine Überfüllung wie im vergangenen Jahr möglichst verhindern. Rund um den 1. Mai sind in Berlin etwa 6200 Polizisten im Einsatz, allerdings nicht nur in Kreuzberg.

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Zur Walpurgisnacht zog die Berliner Polizei ein sehr positives Fazit und sprach von einer „störungsfreien Feier in den 1. Mai“. Ob bei einem Protestzug gegen steigende Mieten, im Neuköllner Reuterkiez oder im Mauerpark: Die Menschen demonstrierten und feierten friedlich. Die Polizei war mit rund 2500 Beamten im Einsatz. Auch Innensenator Frank Henkel (CDU) zeigte sich „sehr zufrieden“.

Nur eine Festnahme und 21 Überprüfungen

Seit 1987 brach am 1. Mai in Berlin besonders in der Dunkelheit immer wieder Gewalt aus. 2009 wurden fast 500 Polizisten verletzt, 2015 waren es in der Walpurgisnacht und am Abend des 1. Mai noch 41. Im Vorjahr waren an beiden Tagen 53 Randalierer festgenommen worden. Nun meldete die Polizei für die Walpurgisnacht nur eine Festnahme und 21 Überprüfungen von Personen.

Hunderte Gegendemonstranten stellten sich unterdessen am Sonntag Aufmärschen von Rechten in Weißensee und Hohenschönhausen entgegen. In Weißensee wurde bei der Aktion der etwa 50 Rechten ein NPD-Politiker kurzzeitig festgenommen, nachdem er versucht hatte, einen Polizisten anzugreifen. Die Rechten machten anschließend in Hohenschönhausen weiter. Dort verletzte ein Gegendemonstrant einen Beamten. Später war noch ein rechter Aufzug in Schöneweide geplant.