Nach einer wochenlangen Hängepartie steht seit Donnerstagabend offenbar ein Beschluss: Das Myfest in Kreuzberg, die große Party am 1. Mai, soll auch in diesem Jahr stattfinden. Das teilten die Veranstalter, die Myfest-Crew, mit.

Man habe ein tragfähiges Konzept durchgesetzt, in dem sich alle Interessen widerspiegeln würden, hieß es in der Mitteilung. "Wir haben heute politische Versammlungen angemeldet, damit stellen wir unsere politischen Ziele wieder vermehrt in den Vordergrund", so die Veranstalter. Und: "Ein wesentlicher Teil unserer Arbeit liegt noch vor uns. Die konstruktiven Gespräche werden wir mit allen Beteiligten weiterführen."

Auch in der Senatsinnenverwaltung steht man der Einigung positiv gegenüber. Monika Herrmann, Bezirksbürgermeisterin von Friedrichshain-Kreuzberg, sagte: "Ich freue mich, dass nunmehr auch der Innensenator den politischen Aspekt des Myfestes erkannt hat und es endlich losgehen kann." Die Zeit werde knapp, aber da Bezirk und Myfest-Crew in den letzten Monaten bereits intensiv das Fest vorbereitet hätten, sei sie optimistisch, "dass es gut gelingen kann".

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Mit der Einigung hat sich offenbar der Kompromiss durchgesetzt, der schon vor wenigen Tagen diskutiert wurde: Es soll mehrere Bühnen für mehrere Kundgebungen geben - außerdem ist um 22 Uhr mit der Veranstaltung Schluss, um die Anwohner zu schonen.

Henkel lobt neues Konzept

„Das Myfest soll wieder deutlich politischer werden und in einem versammlungsrechtlichen Rahmen stattfinden", sagte Berlins Innensenator Frank Henkel (CDU). Es "hat ganz entscheidend zu einem friedlichen 1. Mai beigetragen. Jetzt gibt es eine Perspektive, dass dieses Erfolgsmodell fortgesetzt werden kann. Mit der Entscheidung der Myfest-Crew, mehrere Versammlungen anzumelden, ist ein wichtiger Schritt getan.“

Weiter erklärte er: „Es ist unerlässlich, dass sich auch das Bezirksamt konstruktiv in den weiteren Prozess einbringt. Viele Herausforderungen sind ohne dessen Unterstützung nicht zu lösen.“

"Politischer und kultureller Austausch im Kiez"

Das Myfest wurde 2003 zum ersten Mal gefeiert und hat nach Überzeugung aller Beteiligten dazu beigetragen, Randale und Krawall an diesem Tag in Kreuzberg zumindest einzudämmen. Bislang hatten Bezirksamt und Organisatoren unterschiedliche Auffassungen zum Charakter des Myfestes, daher musste ein Kompromiss gefunden werden.

In den vergangenen Jahren wurde es als politische Veranstaltung angemeldet, die Polizei lehnte es aus Gründen des Versammlungsrechts aber ab, es als politische Versammlung einzustufen. Dieser Unterschied ist wichtig für Fragen der Verantwortlichkeit, insbesondere bei der Sicherheit und hinsichtlich der Haftung.

In der Mitteilung vom Donnerstagabend hieß es nun seitens der Veranstalter, man wolle "einen politischen und kulturellen Austausch im Kiez schaffen und die gewaltfreie Situation bewahren, in der wir auch mit Kindern den 1. Mai begehen können. Hier kommen wir zusammen, um unsere Vielfalt und Gemeinschaft zu zeigen und für unsere Belange einzutreten. Dies sind Toleranz, kulturelle und sexuelle Vielfalt und ein friedliches Miteinander als Basis für unsere Zukunft."

So verlief der 1. Mai in Berlin

Feiern bei bestem Feiertagswetter: Zehntausende Menschen sind am Freitag zu verschiedenen 1.-Mai-Veranstaltungen in Berlin geströmt.
Feiern bei bestem Feiertagswetter: Zehntausende Menschen sind am Freitag zu verschiedenen 1.-Mai-Veranstaltungen in Berlin geströmt.© Getty Images
Rund 40.000 Besucher kamen nach Angaben der Polizei zum  "Myfest" nach Kreuzberg.
Rund 40.000 Besucher kamen nach Angaben der Polizei zum "Myfest" nach Kreuzberg.© dpa
Am Abend begann die "Revolutionäre 1. Mai-Demonstration" am Spreewaldplatz.
Am Abend begann die "Revolutionäre 1. Mai-Demonstration" am Spreewaldplatz.© dpa
Rund 7000 Polizisten waren im Einsatz.
Rund 7000 Polizisten waren im Einsatz.© dpa
Knackpunkt der großen Demo: der Vorbeizug an der Gerhart-Hauptmann-Schule, die von Flüchtlingen besetzt ist. Dort legte sich ein Flüchtling aus Protest auf den Boden.
Knackpunkt der großen Demo: der Vorbeizug an der Gerhart-Hauptmann-Schule, die von Flüchtlingen besetzt ist. Dort legte sich ein Flüchtling aus Protest auf den Boden.© REUTERS
Zunächst blieb die Situation in Kreuzberg friedlich.
Zunächst blieb die Situation in Kreuzberg friedlich.© REUTERS
Später kam es zu vereinzelten Würfen von Feuerwerkskörpern und Steinen.
Später kam es zu vereinzelten Würfen von Feuerwerkskörpern und Steinen.© AFP
Bis 22 Uhr wurden 38 Personen festgenommen.
Bis 22 Uhr wurden 38 Personen festgenommen.© dpa
Bei den Zwischenfällen gingen einige Fensterscheiben zu Bruch.
Bei den Zwischenfällen gingen einige Fensterscheiben zu Bruch.© AFP
Laut Schätzungen der Berliner Polizei waren rund 18.000 Teilnehmer auf der abendlichen Demonstration.
Laut Schätzungen der Berliner Polizei waren rund 18.000 Teilnehmer auf der abendlichen Demonstration.© dpa
Ein vermummter Demonstrant hantiert mit einem Verkehrsschild.
Ein vermummter Demonstrant hantiert mit einem Verkehrsschild.© dpa
Ein anderer Demonstrant hat sich geschminkt.
Ein anderer Demonstrant hat sich geschminkt.© dpa
Der Innenexperte der Berliner Grünen, Benedikt Lux, sprach von einem "besonnen Auftreten" der Berliner Polizei.
Der Innenexperte der Berliner Grünen, Benedikt Lux, sprach von einem "besonnen Auftreten" der Berliner Polizei.© dpa
Ein gewohntes Bild auf dem "Myfest": Rauchschwaden, die von den vielen Grill-Imbissen in und rund um die Oranienstraße aufsteigen.
Ein gewohntes Bild auf dem "Myfest": Rauchschwaden, die von den vielen Grill-Imbissen in und rund um die Oranienstraße aufsteigen.© Getty Images
Kita mit Polizeischutz: eine Hundertschaft vor dem Kinderladen "Kunterbunt" in Kreuzberg.
Kita mit Polizeischutz: eine Hundertschaft vor dem Kinderladen "Kunterbunt" in Kreuzberg.© dpa
Nach einer überwiegend friedlichen Walpurgisnacht zeigte sich die Berliner Polizei vor der großen Demo am Abend verhalten optimistisch.
Nach einer überwiegend friedlichen Walpurgisnacht zeigte sich die Berliner Polizei vor der großen Demo am Abend verhalten optimistisch.© dpa
Ein Teilnehmer der 18-Uhr-Demo hinter einem Transparent.
Ein Teilnehmer der 18-Uhr-Demo hinter einem Transparent.© dpa
Besonderer Service beim "Myfest": eine "Selfie-Leiter", auf die Besucher steigen konnten, um einen besseren Überblick zu erhalten.
Besonderer Service beim "Myfest": eine "Selfie-Leiter", auf die Besucher steigen konnten, um einen besseren Überblick zu erhalten.© Getty Images
Auch im Görlitzer Park wurde ausgiebig gefeiert.
Auch im Görlitzer Park wurde ausgiebig gefeiert.© AFP
Entspannte Stimmung am Nachmittag auf dem "Myfest".
Entspannte Stimmung am Nachmittag auf dem "Myfest".© Getty Images
Tausende "Myfest"-Besucher genießen am Nachmittag das milde Wetter.
Tausende "Myfest"-Besucher genießen am Nachmittag das milde Wetter.© REUTERS
Die Kehrseite des 1. Mai: zahlreiche Müllberge.
Die Kehrseite des 1. Mai: zahlreiche Müllberge.© dpa
"Keine Revolution auf nüchternen Magen!" steht auf dem Transparent, das hinter Senem und ihrem Verkaufsstand beim "MyFest"  hängt.
"Keine Revolution auf nüchternen Magen!" steht auf dem Transparent, das hinter Senem und ihrem Verkaufsstand beim "MyFest" hängt. © dpa
In umgebauten Fässern werden Hühnerbeine gegrillt.
In umgebauten Fässern werden Hühnerbeine gegrillt.© dpa
"Wir sind überall" lautete in diesem Jahr das Motto der "Revolutionären 1. Mai-Demo".
"Wir sind überall" lautete in diesem Jahr das Motto der "Revolutionären 1. Mai-Demo".© dpa
Eine Hundestaffel beim Einsatz in Hohenschönhausen, wo bereits am Nachmittag Hunderte gegen eine Neo-Nazi-Demo auf die Straße gingen.
Eine Hundestaffel beim Einsatz in Hohenschönhausen, wo bereits am Nachmittag Hunderte gegen eine Neo-Nazi-Demo auf die Straße gingen.© Christian Mang
So geht's auch am 1. Mai: Eine ältere Frau liegt zum Auftakt der Badesaison im Strandbad Wannsee in einem Strandkorb und genießt die Frühlingssonne.
So geht's auch am 1. Mai: Eine ältere Frau liegt zum Auftakt der Badesaison im Strandbad Wannsee in einem Strandkorb und genießt die Frühlingssonne.© dpa

BM