Innensenator Frank Henkel (CDU) und die Organisatoren des Myfestes arbeiten an einer Lösung, dass das ebenso beliebte wie politisch wichtige Fest am 1. Mai in Kreuzberg auch in diesem Jahr stattfinden kann.

Am Mittwoch haben sich Henkel, Polizeipräsident Klaus Kandt und die Myfest-Crew zu einem rund einstündigen Gespräch getroffen. „Die gemeinsame Suche nach einer Lösung für das Myfest geht weiter. Wir haben in dem sehr konstruktiven Gespräch einen Vorschlag erarbeitet, den die Myfest-Crew jetzt intern diskutieren wird. Danach werden wir uns wieder zusammensetzen“, erklärte der Innensenator anschließend.

Die Organisatoren des Festes bekundeten, dass sie zügig eine Lösung zur Weiterführung der auf der Kippe stehenden Veranstaltung vorstellen wollen. Voraussichtlich an diesem Freitag gebe es einen weiteren Termin zu dem Thema, sagte Mitorganisator Udo Flütter. Das Team werde verschiedene Möglichkeiten besprechen.

Politische Inhalte sollen im Vordergrund stehen

Möglicherweise werde am Freitag bereits die endgültige Lösung vorgestellt. Man sei sich einig, politische Inhalte mehr in den Vordergrund stellen zu wollen. Die Veranstaltung am 1. Mai soll Gewaltausbrüche von Linksextremisten einschränken.

Das Myfest wurde 2003 zum ersten Mal gefeiert und hat nach Überzeugung aller Beteiligten dazu beigetragen, Randale und Krawall an diesem Tag in Kreuzberg zumindest einzudämmen.

So verlief der 1. Mai in Berlin

Feiern bei bestem Feiertagswetter: Zehntausende Menschen sind am Freitag zu verschiedenen 1.-Mai-Veranstaltungen in Berlin geströmt.
Feiern bei bestem Feiertagswetter: Zehntausende Menschen sind am Freitag zu verschiedenen 1.-Mai-Veranstaltungen in Berlin geströmt.© Getty Images
Rund 40.000 Besucher kamen nach Angaben der Polizei zum  "Myfest" nach Kreuzberg.
Rund 40.000 Besucher kamen nach Angaben der Polizei zum "Myfest" nach Kreuzberg.© dpa
Am Abend begann die "Revolutionäre 1. Mai-Demonstration" am Spreewaldplatz.
Am Abend begann die "Revolutionäre 1. Mai-Demonstration" am Spreewaldplatz.© dpa
Rund 7000 Polizisten waren im Einsatz.
Rund 7000 Polizisten waren im Einsatz.© dpa
Knackpunkt der großen Demo: der Vorbeizug an der Gerhart-Hauptmann-Schule, die von Flüchtlingen besetzt ist. Dort legte sich ein Flüchtling aus Protest auf den Boden.
Knackpunkt der großen Demo: der Vorbeizug an der Gerhart-Hauptmann-Schule, die von Flüchtlingen besetzt ist. Dort legte sich ein Flüchtling aus Protest auf den Boden.© REUTERS
Zunächst blieb die Situation in Kreuzberg friedlich.
Zunächst blieb die Situation in Kreuzberg friedlich.© REUTERS
Später kam es zu vereinzelten Würfen von Feuerwerkskörpern und Steinen.
Später kam es zu vereinzelten Würfen von Feuerwerkskörpern und Steinen.© AFP
Bis 22 Uhr wurden 38 Personen festgenommen.
Bis 22 Uhr wurden 38 Personen festgenommen.© dpa
Bei den Zwischenfällen gingen einige Fensterscheiben zu Bruch.
Bei den Zwischenfällen gingen einige Fensterscheiben zu Bruch.© AFP
Laut Schätzungen der Berliner Polizei waren rund 18.000 Teilnehmer auf der abendlichen Demonstration.
Laut Schätzungen der Berliner Polizei waren rund 18.000 Teilnehmer auf der abendlichen Demonstration.© dpa
Ein vermummter Demonstrant hantiert mit einem Verkehrsschild.
Ein vermummter Demonstrant hantiert mit einem Verkehrsschild.© dpa
Ein anderer Demonstrant hat sich geschminkt.
Ein anderer Demonstrant hat sich geschminkt.© dpa
Der Innenexperte der Berliner Grünen, Benedikt Lux, sprach von einem "besonnen Auftreten" der Berliner Polizei.
Der Innenexperte der Berliner Grünen, Benedikt Lux, sprach von einem "besonnen Auftreten" der Berliner Polizei.© dpa
Ein gewohntes Bild auf dem "Myfest": Rauchschwaden, die von den vielen Grill-Imbissen in und rund um die Oranienstraße aufsteigen.
Ein gewohntes Bild auf dem "Myfest": Rauchschwaden, die von den vielen Grill-Imbissen in und rund um die Oranienstraße aufsteigen.© Getty Images
Kita mit Polizeischutz: eine Hundertschaft vor dem Kinderladen "Kunterbunt" in Kreuzberg.
Kita mit Polizeischutz: eine Hundertschaft vor dem Kinderladen "Kunterbunt" in Kreuzberg.© dpa
Nach einer überwiegend friedlichen Walpurgisnacht zeigte sich die Berliner Polizei vor der großen Demo am Abend verhalten optimistisch.
Nach einer überwiegend friedlichen Walpurgisnacht zeigte sich die Berliner Polizei vor der großen Demo am Abend verhalten optimistisch.© dpa
Ein Teilnehmer der 18-Uhr-Demo hinter einem Transparent.
Ein Teilnehmer der 18-Uhr-Demo hinter einem Transparent.© dpa
Besonderer Service beim "Myfest": eine "Selfie-Leiter", auf die Besucher steigen konnten, um einen besseren Überblick zu erhalten.
Besonderer Service beim "Myfest": eine "Selfie-Leiter", auf die Besucher steigen konnten, um einen besseren Überblick zu erhalten.© Getty Images
Auch im Görlitzer Park wurde ausgiebig gefeiert.
Auch im Görlitzer Park wurde ausgiebig gefeiert.© AFP
Entspannte Stimmung am Nachmittag auf dem "Myfest".
Entspannte Stimmung am Nachmittag auf dem "Myfest".© Getty Images
Tausende "Myfest"-Besucher genießen am Nachmittag das milde Wetter.
Tausende "Myfest"-Besucher genießen am Nachmittag das milde Wetter.© REUTERS
Die Kehrseite des 1. Mai: zahlreiche Müllberge.
Die Kehrseite des 1. Mai: zahlreiche Müllberge.© dpa
"Keine Revolution auf nüchternen Magen!" steht auf dem Transparent, das hinter Senem und ihrem Verkaufsstand beim "MyFest"  hängt.
"Keine Revolution auf nüchternen Magen!" steht auf dem Transparent, das hinter Senem und ihrem Verkaufsstand beim "MyFest" hängt. © dpa
In umgebauten Fässern werden Hühnerbeine gegrillt.
In umgebauten Fässern werden Hühnerbeine gegrillt.© dpa
"Wir sind überall" lautete in diesem Jahr das Motto der "Revolutionären 1. Mai-Demo".
"Wir sind überall" lautete in diesem Jahr das Motto der "Revolutionären 1. Mai-Demo".© dpa
Eine Hundestaffel beim Einsatz in Hohenschönhausen, wo bereits am Nachmittag Hunderte gegen eine Neo-Nazi-Demo auf die Straße gingen.
Eine Hundestaffel beim Einsatz in Hohenschönhausen, wo bereits am Nachmittag Hunderte gegen eine Neo-Nazi-Demo auf die Straße gingen.© Christian Mang
So geht's auch am 1. Mai: Eine ältere Frau liegt zum Auftakt der Badesaison im Strandbad Wannsee in einem Strandkorb und genießt die Frühlingssonne.
So geht's auch am 1. Mai: Eine ältere Frau liegt zum Auftakt der Badesaison im Strandbad Wannsee in einem Strandkorb und genießt die Frühlingssonne.© dpa

Bislang hatten Bezirksamt und Organisatoren unterschiedliche Auffassungen zum Charakter des Myfestes, daher muss ein Kompromiss gefunden werden.

Polizei will Myfest nicht als politische Veranstaltung einstufen

In den vergangenen Jahren wurde es als politische Veranstaltung angemeldet, die Polizei lehnt aus Gründen des Versammlungsrechts ab, es als politische Versammlung einzustufen. Dieser Unterschied ist wichtig für Fragen der Verantwortlichkeit, insbesondere bei der Sicherheit und hinsichtlich der Haftung.

Bezirksbürgermeisterin Monika Herrmann (Grüne) erklärte daher, der Bezirk könne nicht als Veranstalter fungieren. Nach Ansicht von Experten könnte ein Kompromiss so aussehen, dass der Kern des Festes als Versammlung anerkannt und entsprechend von der Polizei geschützt wird, wenn es einen deutlich politischen Charakter trägt. Der äußere Bereich müsste dann als Straßenfest vom Bezirk genehmigt werden.